Am Abend des Gründonnerstags erlebten die Besucherinnen und Besucher in der Kirche in Nagold eine besondere Stunde der inneren Einkehr und Stille. Der Nagolder Projektchor gestaltete ein geistliches Konzert, das die Zuhörenden auf eindrucksvolle Weise auf die Ereignisse rund um das Leiden und Sterben Jesu Christi einstimmte.
Zu Beginn begrüßte Gemeindevorsteher Hirte Klaus Braun die Anwesenden. Er verband seine Worte mit dem Wunsch, dass die vorgetragenen Lieder und Texte nicht nur begleiten, sondern die Herzen berühren und die Bedeutung dieses besonderen Abends neu erschließen mögen.
Begleitet von Klavierklängen zu „Remember me“ nahm der Projektchor seinen Platz im Kirchenschiff ein. Die Kulisse eines Felsengrabes, die noch von einem Singspiel der Kinder erhalten geblieben war, verlieh dem Raum eine besondere Atmosphäre und führte die Zuhörenden gedanklich bereits in die Passionsgeschichte hinein.
Mit dem Lied „Also hat Gott die Welt geliebt…“ von Friedhelm Deis erklang gleich zu Beginn die zentrale Botschaft des Evangeliums: Gottes Liebe zu den Menschen, die sich im Opfer seines Sohnes offenbart. Es folgten stimmungsvoll vorgetragene Lesungen aus den Evangelien, die an die bedeutsamen Ereignisse des Vorabends von Karfreitag erinnerten – an die Fußwaschung Jesu und die Stiftung des Heiligen Abendmahls.
Weitere Chorstücke wie „Kommt, werdet sein“ und „Herr, bleib bei mir“ führten die Zuhörenden tiefer in das Geschehen hinein und bereiteten auf einen besonderen musikalischen Höhepunkt vor: das Stück „Gethsemane“ aus dem Oratorium „Lamb of God“ von Rob Gardner. In eindringlicher Weise wird darin die Todesangst Jesu im Garten Gethsemane geschildert.
Der Vortrag dieses Werkes, begleitet von einem Instrumentalensemble und in aramäischer Sprache dargeboten, war sehr anspruchsvoll für die Sänger und Zuhörer. Leise beginnend, fast wie ein Flüstern, steigerte sich die Musik wie zu einem Schrei, zu einem Ausdruck tiefsten Leidens. Danach herrschte absolute Stille im Kirchenraum – eine Stille, "Totenstille", die das Gehörte nachklingen ließ.
Mit weiteren Liedern wie „Alleluja“, „Siehe, das ist Gottes Lamm“ und „Schenk deinen Frieden“ setzte sich das Programm fort und führte schließlich zum eindrucksvollen Abschlussstück „Remember me“ von Deborah Govenor. Der Text dieses Liedes nähert sich dem Thema des Erinnerns aus drei verschiedenen Perspektiven: es lädt ein, sich selbst zu erinnern, was Jesus tat, erinnert zum Zweiten an die Frage Jesu in seiner Not und „dunkelsten Stunde“ an den Vater: „Wirst du dich an mich erinnern?" und an die tröstliche Gewissheit für den Gläubigen, dass Christus ihn in allen Lebenslagen im Blick behält: „...dann weiß ich, dass du meiner gedenkst.“
Am Ende dieses besonderen Abends verzichteten die Zuhörenden bewusst auf Applaus, um die Atmosphäre der Stille zu bewahren. Stattdessen fand der Dank auf persönliche Weise Ausdruck – in stillen Gesten, in einem Händedruck oder in herzlichen Worten. So klang die Stunde in Ruhe aus und hinterließ bei vielen einen nachhaltigen Eindruck.