Eingeladen waren auch die Nachbarn aus Nufringen sowie die Vorsteher der Gäugemeinden.
„Wie wird uns sein, wenn wir ihn hören rufen,
Kommt, ihr Gesegneten! …“
(Lied Nr. 402, Vers 2 Gesangbuch der Neuap. Kirche, Text Karl Johann Philipp Spitta, 1801 -1859)
„Wir wollen gemeinsam erleben, dass Gott in unserer Mitte wirkt.“, begann der Apostel. Gemeinsam, wie Gott sich jedem zuwendet. Er sortiert nicht in Kategorien. Er schenkt jedem das, was der bereit ist, im Glauben zu erfassen. Königsgnade deckt beim Herrn die Lücken. Jesus nahe sein, ihn lieben? Wie geht das, wir haben ihn doch noch nie gesehen. Machen wir es doch einmal umgekehrt: Jesus näher an uns heranlassen. Wie geht das? Indem wir handeln, so wie er. Christus sah Zachäus, auf dem Maulbeerbaum sitzend. (Lk 19, 1). Jesus hatte kein Schubladen-Denken. Ihm ging es immer um den einzelnen Menschen. Habt ihr schon einmal nach einem intensiven Glaubensgespräch mit einem anderen ein schlechtes Gefühl gehabt? Haben wir das Gefühl, Jesus ist da, dann auch ihn an uns heranlassen. So geht es auch schrittweise weiter.
Was kommt auf uns zu, wenn Jesus wiederkommt? Der Apostel gab die Antwort mit dem eingangs zitierten Lied, in dem es weiter heißt: „… ihn schauen, der sein teures Blut vergossen, das uns vom ew´gen Tode hat befreit.“ Aus abstrakter Gedankenwelt wird so etwas Konkretes: Man bemüht sich, das auszustrahlen, was Gott in uns hineinlegt. Es zeigt sich in der Liebe zum Nächsten, die eine andere ist als die zum Partner oder zu den eigenen Kindern. Auch der Nächste soll Gottes Liebe erleben. Jesus damals hat Zachäus wegen dessen Fehlverhalten nicht etwa abgemahnt. Zuerst kehrte er bei ihm ein. Nicht gesagt, der muss sich aber erst ändern. Wenn bei jemandem etwas schief läuft, schnell mit einer Erklärung zur Hand sein. So in der Richtung, dem fehlte mal ein Glaubenserlebnis, weil er sich nicht angemessen verhielt oder aber, war das nicht der Fall, dann brauchte der eben mal den „letzten Schliff“. Wir können es nicht erklären, warum Gott so oder so handelt. Orientiere dich an seinem Sohn, wenn es darum geht, wie man mit dem Nächsten umgeht. Wenn der Herr wiederkommt, wird es egal sein, in welcher Lebenssituation er uns antrifft. Der eine wird angenommen, der andere nicht. (vgl. Mt 24, 40). Bereit zu sein hängt nicht von den äußeren Umständen ab. Relevant ist nur, dass wir uns vorbehaltlos auf den Weg machen.
„Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht, und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.“ (2. Petr 1, 19). „Umso fester haben wir das prophetische Wort.“, begann Martin Schnaufer auf das Bibelwort für den Gottesdienst einzugehen. Vieles von dem, was in der Bibel vorhergesagt wurde, was ein prophetisches Wort war, hat sich bereits erfüllt. „Licht, das scheint an einem dunklen Ort, …“. Das Licht Gottes schafft im Dunkeln eine ganz andere Orientierung. Das sündige menschliche Verhalten führte zur Trennung von Gott. In die Dunkelheit: Nacht, keine Hoffnung, das Böse ist da. Dunkelheit verunsichert. Wenn man ein Geräusch hört, fällt es nicht leicht oder ist sogar unmöglich, es einzusortieren. Man sieht auch sich selbst nicht. Keine Ahnung, ob z. B. die Krawatte richtig gebunden ist. Wie will man dann erfolgreich etwas am Outfit ändern? Dunkel um mich her, man merkt nicht, wenn man den anderen verletzt. Aber Gottes Geist wird mich in alle Wahrheit führen. (vgl. Joh 16, 13). Er wird mich verklären.
Was passiert, wenn wir das Wort Gottes so sehen? Da gibt es Hoffnung, weil ich eine klare Zusage habe. Man hört und sieht Manches, was man nicht verstehen kann? Gott hat uns eine neue Kreatur geschenkt. Da bleibt kein Raum für Zufälle: Unser Weg führt zum Ziel. Jakobus schreibt, dass Gottes Wort wie ein Spiegel ist. (vgl. Jak 1, 23). Wenn ich dafür offen bin, kann ich sehen. Es ermahnt uns und weist den Weg in die Zukunft. Es lässt uns auch den Mitmenschen in einem anderen Licht sehen. Wir dürfen nicht über ihn richten. Wir sehen seinen Kampf nicht und können uns kein Urteil erlauben. „Sieh doch deinen Bruder mal in Liebe an!“ Als Gemeinde beten wir: „Vergib uns unsere Schuld.“ Das gibt ein viel besseres Gefühl.
Gottes Wort muss man glauben, wenn man es erleben will. Wenn wir Jesus lieben wollen, müssen wir ihn in unsere Seele hineinlassen. Wenn uns etwas nicht so gelingt, dann sagen: Jetzt erst recht! Wie groß war Gottes Liebe, seine Geduld. Schnaufer kam ein Chanson in den Sinn, in dem von grenzenloser Freiheit über den Wolken gesungen wird. „Wie schön, wenn ein Licht dort hineinfindet, wo vorher nur Nebel war.“
Bezirksevangelist Werner Lampprecht ging auf das prophetische Wort ein, von dem im Textwort die Rede ist. Heute haben wir das Apostelwort, das uns in alle Wahrheit leitet. Seien wir dafür dankbar. Jesus scheute nicht die Gemeinschaft mit Sündern. Die brauchten ihn. Und er war für sie da. Sind wir in Liebe für unseren Nächsten da? Können wir ihn so akzeptieren, wie er nun einmal ist? Strahlen wir aus, dass wir eine Hoffnung, ein Ziel haben? Haben wir den Mut, freudige Christen zu sein. Vielleicht beruhen die schlechten Eigenschaften des Nächsten auf seinen Erbanlagen und er selbst hat am meisten unter sich zu leiden.
Vor der Sündenvergebung und der Feier des heiligen Abendmahls vertiefte der Apostel das noch einmal: Es steht uns in keiner Weise zu, über einen anderen zu richten. Versöhnungsbereit zu sein, das ist entscheidend. Da geht es sicher oft um mehr als einen weggenommenen Parkplatz, und der Betroffene hat jahrelang mit dem erfahrenen Unrecht zu kämpfen. Bei einem eigenen Fehlverhalten prüfen, ob es ein Lese- oder ein Spielfehler ist, wurde ein Beispiel aus dem Orchesterleben herangezogen. Ein Noten-Lesefehler, der würde sich wiederholen. Einmal falsch erfasst, setzt sich etwas fest, weil wir glauben, so wäre es richtig. Da muss sich Grundsätzliches ändern, sonst kommt er immer wieder. Ein Spielfehler hingegen, da weiß man, wie es zu sein hat, aber nimmt mal versehentlich den falschen Ton. Keine Wiederholungsgefahr. Schauen wir genau hin!
Nach dem Gottesdienst bedankte sich der Apostel für alle Gebete, für das Licht, das der Einzelne beiträgt zur Gemeinschaft, sei es durch einen liebevollen Blick oder ein liebes Wort. „Alles Gute!“