Acht Teilnehmer vor Ort in der Kirche, aber per Live-Stream oder Telefon miteinander verbunden sind viel mehr Glaubensgeschwister.
Wie lieblich ist es sonntags früh, auf heil´gen Glaubenshöhn
entrückt des Werktags Sorg und Müh sich selig zu ergehn!
(Nr. 113 Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche, Dichter und Komponist unbekannt)
Dieses Lied, von einem Instrumentaltrio als erstes vor dem Gottesdienst gespielt, konnte, wer wollte, schon mal mitsingen. Vor dem Bildschirm, wo immer der sich in welcher Form auch immer befand. Große Dankbarkeit drückte Klaus von Bank im Eingangsgebet aus. Dafür, dass wir alle gemeinsam miteinander verbunden sind. Während es weltweit katastrophale Zustände gibt, von denen wir in unserem Mitteleuropa verschont geblieben sind. "Man sieht euch nicht, aber ihr Geschwister aus den Gäugemeinden, für die dieser Gottesdienst stattfindet, ihr seid da." An diesem besonderen zweiten Sonntag im Monat Mai: Man konnte am Samstag davor beim Einkauf in den Innenstädten anhand der langen Warteschlangen vor den Geschäften, die Süßigkeiten oder Blumen anbieten, unschwer feststellen: Morgen ist Muttertag. Nein, kein kirchlicher Feiertag. Aber doch nicht außer Acht zu lassen, denn jeder hat eine Mutter. Da gab es viel Liebe und Zuwendung. Bis heute, auch wenn die eigenen Mutter vielleicht schon in der Ewigkeit ist, besteht eine Verbindung von Seele zu Seele. Von Bank hatte ein tröstendes Wort für alle, die ungewollt kinderlos sind: Habt euren Frieden damit und nehmt auch das aus Gottes Hand.
Ein Text aus den Psalmen war der Leitfaden für den Gottesdienst: "Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde." (Ps 62, 6, 7). Ein Psalm des Königs David selbst, vorzusingen von ausgewählten Männern, mit Saitenspiel, im großen, schönen Tempel. Dank, Buße und Gebet enthalten die Psalmen. Dieser ist quasi ein Selbstgespräch, in dem der Dichter sein Herz auftut. Der Bezirksvorsteher verlas weitere Verse daraus. Die die schlechten Seiten menschlichen Verhaltens aufzeigen, um zu dem Ergebnis zu kommen: Gott allein ist mächtig. Nur bei ihm ist meine Zuversicht, denn er ist mein Heil und meine Ehre, der Fels meiner Stärke. (vgl. Ps 62, 8).
David, ein König, kein Prophet. Ein Mensch mit Stärken und Schwächen schüttet im Tempel offen sein Herz aus: Wie steht es um mich? Wie sehe ich Gott? David hadert nicht wegen der menschlichen Unzulänglichkeiten anderer. Wie sehe ich Gott, das will er sich und anderen klarmachen. Der Herr im Himmel ist meine Hilfe. Ihm mache ich keinen Vorwurf. Ich schaue auf das Gute, das er tut. Wer denkt, der dankt, zitierte von Bank einen früheren Bezirksapostel aus Süddeutschland. Das Volk Israel durfte aus der ägyptischen Gefangenschaft herauskommen. Ein mühsamer Weg. Auch wenn die Juden dieses Auszugs bis heute mit einem großen Fest gedenken, es gab viel Gemurre, weil der Weg kein leichter war. Wie oft erkennen wir erst im Nachhinein, dass mancher unserer Wege trotz widriger Umstände letztlich der richtige war. Auch wenn wir zwischendrin fragen, warum so und nicht anders? Muss das jetzt auch noch sein? Dabei nicht stehen bleiben. In jedem Leben geht es auf und ab. Auf Gott setzen, sich auf ihn verlassen, unseren Fels, unsere Hilfe, unseren Schutz.
Vom Fels, einem festen Untergrund, spricht David. Jeder braucht ihn. Gott ist meine Hilfe. David wusste, dass er die braucht. Aber wir müssen selbst das Unsere tun. Gott ist unser Schutz. Nach dem sucht jeder. Es gibt Schutzmechanismen, die angeboten werden. Es liegt an mir, sie anzuwenden: Gottesfurcht und Demut schützen vor dem Bösen. Den Felsen können wir verlassen - und landen im Sand. Das Resultat des Bezirksvorstehers: Wir dürfen dankbar zurückschauen und vertrauensvoll in die Zukunft blicken.
Priester Dietmar Marquardt, Gemeindevorsteher in Nufringen, griff das gerade vom Organisten am Klavier gespielte Lied auf: "Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft." (Chorbuch für den neuap. Gottesdienst Nr. 213, Text nach Ps 62, Musik Hermann Ober, 1926 - 2006)
Stille - kann bedrückend und befremdlich sein. Die Stille der Natur kann beruhigen und entspannen. Gott spricht zu Habakuk. Er ist in seinem Tempel. "Es sei stille zu ihm alle Welt.", ist das Gebot der Stunde. (Hab 2, 19). Stille, als Ausdruck von Ehrfurcht. Und man fühlt sich wohl. Das muss nicht immer so sein. Da gibt es auch die unheilvolle Stille. Es brennt etwas unter den Nägeln. Man schreit in die Stille hinein.
Aber, wenn Gott alles erhörte, wäre er nicht Gott. Denn, so viel der Himmel höher ist als die Erde, so viel höher sind auch seine Gedanken. (vgl. Jes 55, 9). Das lässt uns ehrfürchtig werden. Das Bild des Felsen im Meer: Gegen die Wassermassen können wir nichts tun. Aber auf den Felsen, Gott, vertrauen, das geht. Dann aber auch bei allem Bitten und Fürbitten nie die Dankbarkeit vergessen! "In der Stille liegt Stärke. Ich wünsche mir, dass jeder das so erkennt und erfährt."
Der Bezirksvorsteher fasste zusammen: "Als ich sah, wie es den Gottlosen so gut geht, musste ich fast straucheln. Aber als ich ins Haus des Herrn ging, bekam ich Ruhe und göttliche Kraft. (vgl. Ps 73, 3 ff) Es gibt so viel Sorge und Leid auf der Erde. Das schafft keine Ruhe in der Seele. Da tröste es ihn, dass "human aktiv", das Missionswerk der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland, nach den Spendenaktionen in den vergangenen Jahren, in denen die Tafelläden unterstützt wurden, im Jahr 2021 die Obdach- und Wohnungslosenhilfe zum Förderschwerpunkt macht. Die Kontaktbeschränkungen, verursacht durch die Pandemie, haben die Arbeit der Helfer zusätzlich erschwert wie auch die Überlebenschancen der Betroffenen gemindert. Dafür 100.000 Euro in diesem Jahr, ein Tropfen auf den heißen Stein, aber besser, als gar nichts zu tun.
"Gnade setzt Buße voraus und den Vorsatz, es zukünftig besser machen zu wollen. Wenn David sich vor Gott beugen konnte, dann können wir das auch."
Nach der Sündenvergebung hieß es im Schlussgebet: Jetzt geht es weiter. Jedes an seinen Platz. Wir wollen aber alle, wenn auch getrennt voneinander, Gott erleben. Wir gehen getrost in die neue Woche.
"Wir freuen uns über die Möglichkeit, einen Gottesdienst via Live-Stream miteinander zu erleben. Das hat uns in schwerer Zeit bislang geholfen. Aber wenn wir uns wieder von Angesicht zu Angesicht sehen können...", wünschte sich Klaus von Bank beim Abschied. Das Instrumentaltrio brachte zum Ausdruck, was uns in diesen Tagen eint und hoffen lässt:
"Stern, auf den ich schaue..." (Neuap Gb Nr.371, Text Kornelius Friedrich Adolf Krummacher, 1826 - 1884)