Im Gottesdienst in Herrenberg wird Bezirksvorsteher Klaus von Bank von Bezirksapostel Michael Ehrich in den Ruhestand verabschiedet.
„Macht hoch die Tür…“
Wer kennt es nicht, dieses Adventslied. Es war auch der musikalische Beginn des Gottesdienstes am Ersten Advent 2021. Die Pandemiezeiten ließen keinen Gesang zu. Orgel, Klavier und ein Streichensemble übernahmen das Musizieren. Ein Déjà-vue-Erlebnis. War es nicht vor einem Jahr, Pandemie bedingt, nicht auch so gewesen und jetzt schon wieder? Ja. Leider. Im Vorfeld hatte man noch anders geplant. Die Glaubensgeschwister aus den Gäugemeinden waren ein- und mussten wieder ausgeladen werden. Abstandsregel. So war die Herrenberger Kirche sehr übersichtlich besetzt und so manche/r Wegbegleiter/in des aus dem Amt scheidenden Bezirksvorstehers war auf die technischen Teilnahmemöglichkeiten angewiesen: Live-Übertragung in Kirchen der Bezirke Tübingen, Albstadt und Nagold, YouTube, Telefon. Es wird eine große Gemeinde zusammen gekommen sein, in Gedanken so eng miteinander verbunden, wie es die Abstandsregeln räumlich nicht zugelassen hätten.
Im Eingangsgebet dankte der Bezirksapostel dafür, Adressaten der Zusage Jesus` sein zu können: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. „Herzlich willkommen an diesem Ersten Advent!“, hieß es zu Beginn des Gottesdienstes. Die Adventszeit hat in unserem Kulturkreis eine besondere Bedeutung. Wir gehen ganz bewusst auf das Fest von Christi Geburt zu. Wir werden an damals erinnert und wir schauen auf den wiederkommenden Heiland: Unser Herr kommt. Im Lukasevangelium (Lk 1, 26) wird die Ankündigung der Geburt Christi geschildert. Ein Engel erscheint Maria. Sie wird - als Jungfrau - den König gebären, dessen Reich kein Ende haben soll. Auch ihre ziemlich in die Jahre gekommene Schwägerin Elisabeth wird einen Sohn zur Welt bringen. Unmöglich? Maria besinnt sich darauf, dass bei Gott kein Ding unmöglich ist. „Mir geschehe, wie du gesagt hast.“, sagt sie zum Engel. Ein Beispiel für uns. Wir haben die Verheißung, dass Jesus wiederkommen und bei uns sein wird bis ans Ende der Welt. (Mt 28, 20). Wie damals Maria es tat, sagen auch wir, uns geschehe wie du gesagt hast. Das bedeutet, im Bewusstsein, dass Gott uns nicht allein lässt, seinen Willen anzunehmen. Eine Herausforderung, dies zu sagen. Aber letztlich dürfen wir bei der Umsetzung immer Gottes Hilfe erwarten.
Danach ging der Bezirksapostel auf das Bibelwort für den Gottesdienst ein. „Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch verlobt mit einem einzigen Mann, damit ich Christus eine reine Jungfrau zuführte.“ (2. Kor 11, 2). Paulus nimmt das Bild von Braut und Bräutigam und deren Hochzeit. Heute wird darüber von beiden gemeinsam entschieden und geplant, aber damals sorgte der Bräutigam für die Braut und bestimmte auch über die Hochzeit. Zwischen Gott und seinen Geschöpfen gibt es Unterschiede. Die Braut, zu der wir berufen sind, soll aber Gott gleich sein. Ihre Erwählung hat Folgen: An Christus glauben, die Erwählung annehmen, „ja“ zu Jesus sagen und die Verbundenheit zu ihm zeigen.
Eine besondere Rolle spielt dabei der Gottesdienst. „Du sollst den Feiertag heiligen.“, das dritte der Zehn Gebote. Im Gottesdienst wird das Evangelium gepredigt und seine Botschaften werden verkündigt. Jesus ist uns nahe, am nächsten bei der Feier des heiligen Abendmahls. Wenn wir als Braut Christi leben, muss es uns ein Herzensbedürfnis sein, in die Gemeinde zu kommen. Fragen wir uns, ob dieses Sehnen da ist und nicht die Gewohnheit oder christliches Pflichtbewusstsein unser Verhalten bestimmen. Grundlage muss die Liebe sein, so wie die zwischen Braut und Bräutigam. Die ist die einzig belastbare. Berechnung darf da keine Rolle spielen. Aus der Liebe zum Herrn und der zum Nächsten heraus möchte ich dorthin. Das gilt, egal wie die Lebensverhältnisse sein mögen. Auch dann, wenn man situationsbedingt keine Worte mehr findet: Ich will mich auf Christi Wiederkunft vorbereiten.
„… damit ich Christus eine reine Jungfrau zuführte.“ Unser Bemühen soll sein, die Sünde zu meiden, also alles, was gegen Gottes Willen steht. Jeder weiß von sich, dass es nicht immer so ist bei ihm. Aber man kann sich bemühen. Auch darum, dem anderen zu vergeben. Jesus` Wesen, der sündlos war und nur aus Liebe heraus handelte, ist das Vorbild. Wenigstens ansatzweise sollte das bei uns zu erkennen sein. Er konnte noch am Kreuz den Vater für die bitten, die ihm das angetan hatten. (vgl. Lk 23, 34). Im Alltag sollten bei uns Liebe, Wahrhaftigkeit und Vertrauen zu Gott zu erkennen sein. Die Wahrheit, von Liebe getragen, auch dann nicht unterdrücken, wenn sie von Nachteil sein sollte.
Aufgabe der Amtsträger ist, „reine Jungfrauen zuzuführen.“ Dieser geistliche Auftrag ist und bleibt das Wichtigste. Sicher, daneben gibt es auch organisatorische Aufgaben, die erledigt werden müssen. Das Gesetz Jesus` zu verkünden als das was es ist: keine unverbindliche Empfehlung. Um Christus` Natur in uns zu nähren und zu fördern, feiern wir das heilige Abendmahl. Gerade jetzt im Advent machen wir uns sein Kommen bewusst: Er, der die Verheißung davon gegeben hat, er wird sie auch erfüllen.
Noch einmal, zum letzten Mal, trat jetzt Bezirksvorsteher Klaus von Bank an den Altar. Zum letzten Mal von ihm „Ihr Lieben alle…“ Er blicke dankbar auf seine rund 40 Jahre lange Tätigkeit als Amtsträger im Kirchenbezirk Tübingen zurück. Auf das, was alle gewirkt und geopfert haben. Dankbar auch dafür, dass es weitergeht: mit neuem Leben, neuen Impulsen und neuen Gaben. „Ich wünsche uns allen eine Aufbruchsstimmung, wenn wir das umsetzen. Die Organisation in Bezirke ist nur der äußere Rahmen. Das Leben in den Gemeinden freut, stärkt und vollendet.“
Vor der Sündenvergebung und der Feier des heiligen Abendmahls sagte Michael Ehrich: „Wir wollen auf den schauen, der aus Liebe zu jedem Einzelnen sein Opfer gebracht hat. Im Anschluss daran leitete Apostel Martin Schnaufer zur Feier des heiligen Abendmahls für entschlafene Seelen über. Er bezog sich auf das Bild der Verlobung: Da gibt es unsere Freude in der Gegenwart und die derer, die uns vorauf gegangenen, in der Ewigkeit. Bei der Wiederkunft Christi wird beides vereint, Ewigkeit und Zeitlichkeit. Christus wird die voraus Gegangenen mit den Lebenden vereinen (vgl. 1 Thess 4, 16, 17). Das heilige Abendmahl empfingen stellvertretend für erstere Bezirksältester Klaus von Bank und Bischof Urs Heiniger.
Danach fasste der Bezirksapostel noch einmal kurz zusammen, was seit Beginn des Jahres Kommuniziert wurde: Drei Gemeinden des Bezirks Tübingen kommen zum „neuen“ Bezirk Albstadt/Tübingen (Vorsteher Rainer Meyer, Vertreter Klaus Löwen), die acht Gäugemeinden werden Teil des Bezirks Nagold (Vorsteher Hartmut Knecht, Vertreter Wolfgang Roller sowie Werner Lampprecht, zuvor Bezirk Tübingen. Die Veränderungen wurden ausgelöst durch die altersbedingte Ruhesetzung von Bezirksältesten Klaus von Bank. Michael Ehrich würdigte dessen Tätigkeit als Amtsträger im Kirchenbezirk Tübingen: 46 Jahre lang hatte er gewirkt, seit dem 19.09.90, also 31 Jahre, war er Bezirksältester gewesen. 40 Jahre lang hatte er Führungsaufgaben inne, davon auch 12 Jahre Missionstätigkeit in der Ukraine. „Ich muss Sie jetzt bitten, zu mir zu kommen.“, sagte Ehrich zu von Bank. „Sie waren ein Gottesknecht mit einer freudigen Ausstrahlung, Klarheit und viel Humor. Und auch ein väterlicher Freund. Das ging nur mit Gottes Hilfe und der Unterstützung seitens einer zuverlässigen Ehefrau. Durch Ihren Beruf geprägt – Vermessungsingenieur – haben Sie auch das Evangelium punktgenau verkündet. Es tut mir leid mit dem Ruhestand, obwohl – wir gönnen Ihnen auch mehr Ruhe.“ Dann war es so weit: Ich setze Sie in den Ruhestand, entbinde Sie von Ihrem Amtsauftrag. „Herzlichen Dank und alles Gute!“ Im Schlussgebet wurde der jetzt Bezirksälteste im Ruhestand noch einmal besonders erwähnt: „Die Freude, die er bewirkt hat, möge in sein Herz zurückkehren.“
Am Ende des letzten Berichts für den jetzt – ehemaligen – Bezirk Tübingen soll der Text des Verses stehen, der im Gottesdienst - u. a. - „gesungen“ wurde:
„Bereitet doch den Weg! Ja Herr, ich will bereiten,
den Weg dir in mein Herz für Zeit und Ewigkeiten.
Du bist`s, der einzig bleibt, sonst alles wird vergehn.
Komm, mein Herr Jesu Christ, in dir will ich bestehn!
(Gesangbuch der Neuap. Kirche Lied Nr. 5, Text Heinrich Mann, 1844 – 1920)