Hier ist Jesus – hier ist Gnade und Friede und Freiheit.
Zu Beginn des Gottesdienstes hatte ein Instrumentaltrio die Melodie des Lieds „Hier ist Jesus,…“ (Gb der Neuapostolischen Kirche Nr. 138, Komponist unbekannt) gespielt. Apostel Martin Schnaufer ging anschließend auf dessen Text ein: Hier ist Jesus – wenn man auf den Altar schaut, sieht man einen Menschen. Aber die Erwartungshaltung ist eine andere, wenn wir uns bewusst machen, hier ist Jesus. Willst du Gnade, Frieden, Freiheit? Eine Predigt kann Höhen und Tiefen haben, aber das Evangelium, das steht fest. Mit der Einstellung, hier ist Jesus, kann man es in einem neuen Licht sehen, neue Zusammenhänge erschließen sich. Der Gottesdienst gibt Gelegenheit, uns mit Christus abzugleichen. Hier ist Jesus – ich mache mir bewusst, ich bin an einer ganz besonderen Stätte. Der Dienstleiter ist ein Werkzeug des Herrn. Ich habe zuvor im stillen Gebet etwas vorgetragen, es wird im Gottesdienst angesprochen. Vielleicht wurde ein altbekanntes, schon so oft gehörtes Bibelwort verlesen. Plötzlich bekomme ich darauf einen völlig anderen Blick vermittelt. Wir erkennen das Wirken des Heiligen Geistes und der Gottesdienst kann Frieden in unseren Alltag hineinbringen.
Dessen Grundlage war an diesem Abend ein Text aus einem Brief des Paulus an die Korinther: „Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist.“ (1. Kor 2, 12). Zur Erläuterung verwies der Apostel auf den vorhergehenden Vers des Briefs an die Korinther: Wenn ihr Gott erkennen wollt, braucht es seinen Geist, um zu sehen, was er für uns tut, „was uns von Gott geschenkt ist“. Im Arbeitsleben gibt es für Beurteilung eines Mitarbeiters eine „Scheckliste“ – was ist gut an seiner Leistung, was weniger. Bei Gott gibt es keine Probezeit, keine befristeten Verträge: Er hat sich für dich entschieden, auch dann, wenn wir mal danebengreifen. Sein Geist zeigt uns die göttliche Perspektive. Die eröffnet sich in unterschiedlicher Art und Weise. Das Evangelium haben wir schriftlich. Um es richtig zu verstehen, bedarf es des Heiligen Geistes. Gottes Geist gibt Zeugnis dem unseren.
Im Folgenden wurde dem Geist der Welt der aus Gott gegenüber gestellt. Damit wir in unserem Leben zurechtkommen, bedarf es des Intellekts. Der Verstand ist ein Geschenk Gottes. Er soll geheiligt sein, um bestimmte Dinge verstehen zu können. Wenn wir Gott erkennen wollen, braucht es den anderen Geist. Er lehrt uns Jesus so zu sehen, wie er es wirklich war. Menschen neigen dazu, Fragen zu stellen. „Warum???“, was bei Kindern gelegentlich nicht aufhört und nerven kann. Aber man lernt etwas dabei. Bei manchen Fragen kommt keine Antwort. Krankheiten, wirtschaftliche Probleme, das weltweite Geschehen. Warum? Wie kann so etwas sein, Gott ist doch nicht so, so kann er nicht sein. Der Heilige Geist gibt die Antwort: Du hast es mit Gott zu tun. Du wirst nicht alles verstehen. Du weißt aber, er tut das Richtige. Lass ihm die Chance zu handeln. Er muss sich nicht auf deine Denkmuster einlassen. Der menschliche Geist ist auf das Irdische ausgerichtet. Er „springt zu kurz“, wenn man Gottes Wesen erfassen will. Der Heilige Geist mahnt, vergiss dein Heil nicht. Wirf einen Blick über den Tellerrand hinaus. Eine scheinbare Niederlage eröffnet einen anderen Blick. Der Mensch ist so geartet, dass er sich etwas verdienen will. Er denkt in Kategorien von Bestrafung und Belohnung. Es muss doch Zusammenhänge geben. Der Heilige Geist sagt, lass das mal da, wo es hingehört. Du bist Gott immer gleich viel wert. Er hat dir schon so oft Gnade geschenkt. Dein Verhältnis zu Gott ist von Liebe getragen und nicht von Regelwerken. Die Zehn Gebote sind nicht als Androhung von Strafe für Fehlverhalten gedacht. Vielmehr um festzustellen, bestimmte Dinge passen nicht zu mir. Ich handele aus meinem inneren Wesen heraus.
Große Geister sprechen von der Zukunft und schimpfen nicht auf das Wetter. Meine eigenen Erfolge leuchten mir sofort ein, beim Nächsten sind wir dann zurückhaltender mit der Wahrnehmung. Der Geist Gottes spricht über Christus. Er kommt, um mich zu verklären: Aus Liebe heraus will ich werden wie der Gottessohn. Um diese Sicht zu lernen, brauchen wir den Heiligen Geist, der uns die Wiederkunft Jesus´ suchen lässt, um bei ihm zu sein. „Der Heilige Geist lässt uns das Ewige sehen, gibt uns Führung, damit die neue Kreatur zur Vollendung gelangen kann.“
Bezirksvorsteher Klaus von Bank freute sich, dass an diesem Abend Glaubensgeschwister in sechs Gemeinden am Gottesdienst mit teilnehmen konnten. Nicht alle vor Ort in Herrenberg, wohl aber dank technischer Möglichkeiten live in ihren jeweiligen Kirchen. Zur Freiheit durch Christus ging von Bank auf dessen Begegnung mit den Pharisäern ein. Freiheit brauchten sie nicht, denn sie seien noch nie jemands Knecht gewesen. Eine ganz menschliche Reaktion. Jesus wies sie darauf hin: Wer Sünde tut, ist der Sünde Knecht. (Joh 8, 33, 34). Der Bezirksälteste erinnerte an die Geschichte, damals an Pfingsten vor rund zweitausend Jahren, als der Heilige Geist zu den Jüngern Jesus` kam. Paulus war nicht mit dabei. Aber der Gottessohn begegnete ihm, der die Christen verfolgte. Er solle in die Stadt, zum Apostel Ananias gehen. Paulus, der da noch einen anderen Namen trug, folgte. Und Ananias sprach ihn an als „Lieber Bruder Saul“. (Apg 9, 17). „Wir wollen uns nicht gefangen nehmen lassen und so gemeinsam weitergehen.“
Apostel Schnaufer erinnerte auch an Paulus, den Jesus fragte: „Warum verfolgst du mich?“ (Apg 9, 4). Das bedeutete, ich, Jesus, identifiziere mich mit denen. Paulus stand damit vor den Trümmern seines bisherigen Lebens und gleichzeitig taten sich durch Ananias andere Welten für ihn auf. Wir wollen aus dem Gottesdienst den Vorsatz mitnehmen: Ich strecke mich nach dem, was vorn ist. Jetzt wollen wir Sündenvergebung und heiliges Abendmahl nicht als Ritual nehmen. Wir üben Reue und dürfen Gnade erfahren. Unsere persönliche Meinung ist nicht das Maß aller Dinge. Wir treten in Gemeinschaft mit Gott, die er uns schenkt.