Wie auch die Umstände sein mögen: Gott geht mit uns bis zum Ziel.
„Freuet euch, …“
Schon im Eingangsgebet war es dem Bischof ein Herzensanliegen, Gott zu bitten, angesichts von so viel Leid und Ungerechtigkeit in der Welt uns Freude zu schenken. Um zu erfahren, „dass du ein Gott der Liebe bist.“. „Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, die Seligkeit zu besitzen durch unseren Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben.“. (1. Thess 5, 9, 10)., so lautete das Textwort. Nach dessen Verlesung war es Heinigers Wunsch, gemeinsam ein Lied zu singen: „Die Lenden lasst umgürtet sein …“ (Gb der Neuap. Kirche Nr. 413, Verfasser unbekannt). In der aktuellen Ausgabe des Gesangbuchs ein Lied, zu finden unter der Rubrik: Den Glauben leben. „Früher ´nur´ ein Adventslied, in Erwartung des Fests von Christi Geburt gesungen. Heute das ganze Jahr über in der frohen Sicherheit, nicht etwa abwartend, dass Gott mit uns bis zum Ziel geht.“ Seit wir ein bewusstes neuapostolisches Glaubensverständnis leben, trägt uns die Gewissheit, dass unser Herr kommen wird. Da mag der Gedanke aufkommen, warum ist das immer noch nicht geschehen? Gerade jetzt in diesen problematischen Zeiten könnte man befinden, dass es „jetzt aber Zeit wird.“. Das ist nicht entscheidend. Vielmehr wichtig ist es, darauf zu achten, dass er für die eigene Seele nicht zu früh kommt. “Das lasst uns als Gemeinde gemeinsam erleben.“
Danach ging der Bischof auf den Kontext des Bibelworts ein: Paulus und Silas hatten die Gemeinde in Thessaloniki gegründet. Eine „bunte Stadt“, bewohnt von Menschen, die aus vielen Ländern stammten. Ein Zeichen dafür, dass christliches Heil nicht auf eine bestimmte Gruppe von Menschen beschränkt ist, sondern alle es erleben können. Es hatte sich eine schöne Gemeinde entwickelt, als Paulus seinen Missionsweg weitergehen musste. Timotheus konnte ihm aber berichten, dass die Gemeinde treu blieb. (vgl. 1. Thess 3. 6) Daraufhin schrieb Paulus den Ersten Brief an die Thessalonicher. Es ist der älteste aus der Zeit. Eine der Fragen Timotheus` war die nach dem Zeitpunkt des Kommens des Herrn. Paulus gab die Antwort: Wenn das geschieht, dann werden zuerst die aus der Ewigkeit in Christus auferstehen, danach die Lebenden. (vgl. 1. Thess 4, 16 ff). Diese Gewissheit sollte ein Trost sein für die Gemeinde, und die Ermunterung, weiterhin unter dem Wirken des Heiligen Geistes beständig bleibend zu hoffen und zu warten.
„Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, …“. Ist uns bewusst, wozu wir bestimmt sind? In einer Universitätsstadt wie Tübingen fragen sich viele junge Menschen, wofür bin ich bestimmt, wo sind meine Gaben und suchen sich dementsprechend ihren Weg. Gott dagegen sagt, ich habe dich zu etwas Besonderem bestimmt. Nicht, weil du so toll bist. Die Gemeindemitglieder in Korinth fanden Paulus nicht so charismatisch. Der aber verwies auf Gott, der ihn dazu bestimmt hatte, der Gemeinde zu dienen. (vgl. 1. Kor 14, 12) Der himmlische Vater hat die Amtsträger zu ihrem Dienst berufen: Du sollst ein Werkzeug sein in meiner Hand. Paulus wies die Thessalonicher darauf hin, Gott habe sie nicht zum Zorn bestimmt. Anlass war, dass sie unter den Verhältnissen litten und sich ungerecht behandelt fühlten. Wenn Kinder dieses Gefühl aufgrund einer Reaktion ihrer Eltern haben, dann macht sie das zornig. Unfriede kommt auf. Gott sagt, bleib nicht darin stecken. Du bist dazu berufen, „Seligkeit zu erleben“. Es gilt, sich heute schon darauf zu besinnen. Nicht Auge um Auge, nicht Böses mit Bösem vergelten, nicht in Traurigkeit versinken. Ich will mit dir sein, du sollst heute schon ein Stück „Seligkeit besitzen“. Deshalb „Freuet euch, …“, zitierte der Bischof aus dem Refrain des Eingangslieds. (Gb Nr. 421, „Es geht heimwärts, ihr Pilger im Fremdlingsland.“, Text Mary Eliza Leslie, geb. 1831) Eine große Herausforderung. Aber es gibt die Sicherheit, dass die Sünde nicht die Oberhand behält: Jesus Christus ist für euch gestorben.
Wie hat er gehandelt? Über Jerusalem hat er geweint, weil ihn die Menschen dort ablehnten, sein Angebot nicht annahmen. (vgl. Mt 23, 37) Auf dem Weg nach Golgatha brach er unter der Last des Kreuzes zusammen. Gott sorgte dafür, dass jemand kam, der tragen half. (vgl. Mt 27, 32) Wir als Gemeinde wollen andere im Gebet mittragen. Letztlich konnte nichts und niemand verhindern, dass Jesus sein Opfer brachte: „Es ist vollbracht.“ (Joh 19, 30), konnte er sagen.
Seine verheißene Wiederkunft ist nicht symbolisch zu verstehen. Es wird sie niemand verhindern noch den Zeitpunkt beeinflussen. Jesus ist gestorben, für die Wachen wie für die Schlafenden. Wobei letztere die Toten sind. Also, ob wir hier sind oder in der Ewigkeit. „Mit ihm zugleich leben.“, dieses Versprechen erfüllt mit Kraft und Mut. Es bewirkt, hüben wie drüben, Vorfreude darauf, in der Ewigkeit vereint zu sein. „Nehmen wir uns in unserem schnellen Leben immer die Zeit, zu hinterfragen, wozu bin ich auf der Erde. Es ist immer noch die Vorbereitungszeit dafür, hier wie dort drüben, den Vollendungsplan Gottes zu erleben.“
Nach einem Zwischenspiel der Orgel fuhr Heiniger fort: „Es könnte der Gedanke aufkommen, das schaffe ich nicht. Wie oft habe ich mir etwas vorgenommen und dann doch nicht umgesetzt.“ Wir dürfen Jesus` Opfer für uns nehmen, damit wir das Richtige tun können. Die Kräfte daraus sollen wir wieder erleben können. Wie gern hätte man schlechte Schulnoten ausradiert gehabt. Ging nicht. Was uns belastet, wird auch nicht ungeschehen gemacht. Aber es soll uns nicht mehr beschweren. Gott hat dich nicht dazu bestimmt, darin zu verbleiben, sondern vielmehr zur Seligkeit.
Im Schlussgebet bat der Bischof noch einmal darum, dass jeden die Vorfreude auf das, was kommen wird, erfüllen möge. Auch wenn sich jetzt die Wege trennen würden, sei niemand allein gelassen. Gott begleitet alle bis zur Wiederkunft Christi, die bald sein möge.
Nach dem Gottesdienst hieß es: „Es war schön mit euch. Gottes Hilfe und Segen für alle.“ Herzlichen Dank gab es für den Orgelspieler (Andreas Ostheimer), der beeindruckend den musikalischen Rahmen für den Gottesdienst gesetzt hatte und jetzt noch einmal bei der Begleitung des Gemeindegesangs nicht hinweg zu denken war:
„Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut!
Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut.“
(Gb Nr. 258, Vers 5 „Ich singe dir mit Herz und Mund...“ (Text Paul Gerhardt, 1607 – 1676)