Ein Highlight mitten im Alltag erfreut Herz und Sinne.
Ein Duo aus Klavier und Orgel sorgte schon vor dem Gottesdienst mit seinem Musizieren dafür, dass die Gottesdienstbesucher nach dem alltäglichen Stress Ruhe finden konnten. Außerdem hatten sich die Jettinger etwas Besonderes einfallen lassen: Vier Sänger verteilten sich später, um im Kirchensaal und im Flur davor vierstimmig miteinander zu singen, ohne die Hygienevorschriften in Corona-Zeiten zu verletzen. Begleitet wurden sie am Klavier. Das geschah zum ersten Mal nach der Verlesung des Textworts: „So lasst uns nun durch ihn Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Gutes zu tun und mit andern zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.“ (Hebr 13, 15, 16). Danach erklang, aus allen Richtungen gesungen, die Einladung an Jesus, jetzt unter uns zu sein. („Sieh, ich breite voll Verlangen…“, Nr. 131 Gb der Neuap. Kirche, Text Eleonore Fürstin Reuß, 1835 – 1903). Apostel Martin Schnaufer bewunderte die kreativen Ideen, die die Not der Pandemie, die wegen der Abstandsgebote u. a. die in früheren Zeiten (lang ist´s her) übliche musikalische Gestaltung der Gottesdienste nicht zulässt, hervorbringt. Wie eben einen „verteilten Chor“ an diesem Abend. Gleichzeitig auch ein Bild: Wenn wir zum Gottesdienst, zum Altar, kommen, dann geschieht das aus allen Richtungen heraus. Einer vom Treppenhaus hereinkommend, einer „in der Ecke“ fühlt sich abseits, einer in der Bank, der sich nicht so frei bewegen kann. Das macht eine Gemeinde aus. Gott sagt, ich kenne deine Situation. Sie soll dich nicht hindern, zu mir zu kommen. Du kannst mir vertrauen. Vielleicht mag es aus jeder Ecke heraus etwas unterschiedlich klingen. Mal etwas höher, mal tiefer. Aber schön, wenn es zum Schluss eine Harmonie ergibt. Entscheidend ist, dass Gott mit jedem spricht.
„Allezeit das Lobopfer darbringen“, begann der Apostel auf das Bibelwort für den Abend einzugehen. Er erinnerte an Paulus und Silas, die in Philippi gefangen genommen worden waren (Apg 16, 23 ff). Sie sangen nachts laut in ihrem Verlies und lobten Gott. Sie waren trotz allen Elends noch in der Lage, Gott zu spüren, der ihnen helfen konnte. Jetzt aber geht es nicht um den Lobgesang, sondern um das Lobopfer und die Aufforderung, es allezeit durch Christus zu erbringen. Es ist abhängig vom Glauben an ihn. Weil wir an ihn glauben und Gott im Herzen tragen. Weil Jesus für uns den Weg gelegt hat. Im Natürlichen ändert sich für uns, gerade in diesen Zeiten, ständig etwas. Jesus aber ist immer derselbe: der dich liebt und dir zur Seite steht. Lass dir helfen!
Ein bekannter Vers aus dem 13. Kapitel des Hebräerbrief, oft in Trauerfeiern zu hören, ist der Hinweis, dass wir hier keine bleibende Statt haben, sondern die zukünftige suchen (vgl. Vers 14). Christus hingegen ist und bleibt derselbe, der uns hilft und unsere Zukunft ist. Jesus hat für sich keine Sonderlösung beansprucht. Er hat alles durchlitten, auch das Gefühl, sich von Gott verlassen zu fühlen (Mk 16, 12 ff u. a.). Die Sünden der Welt tragen, das konnte er nicht. Aber er konnte sein Leben aufgeben. Nicht, dass er es verloren hätte angesichts der Übermacht. Nein, er wollte seinen Auftrag erfüllen. Aktiv, nicht passiv.
Er begleitet uns, woher auch immer wir kommen. Lass dich von ihm herausholen aus deinem Leben. Daraus kann großes Vertrauen entstehen. Die Gleichnisse, die er verwandte, sind lediglich ein Stilmittel, um seine Lehre zu verkünden. Das vom Verlorenen Sohn: Der mag sich falsch verhalten. Sein Vater lässt sich dadurch in seinem Verhältnis zu ihm nicht beirren.
Das Bibelwort fordert auf, durch den Glauben an den Sohn den Vater zu loben – wirkt sich das darauf aus, wie wir unsere Prioritäten setzen? Entscheidend ist, sich auf Christi Wiederkunft vorzubereiten. So unterschiedlich unsere Situation auch sein mag. Da ist der Student, der hinaus strebt ins Leben. Dann der Rentner, der so viel schon hinter sich hat. Der Gesunde und der Kranke, vielleicht krank auf den Tod. Und doch gibt es den Blick auf Christus und seine Wiederkunft: So zu leben wie er als sein Nachfolger. Das Motiv dabei ist die Liebe zu ihm. Ich will so werden wie er. Das ist keine „Rolle“, die von außen vorgegeben wird. Gott macht keine halben Sachen: Aus einem steinernen Herzen kann ein lebendiges werden. Das Verhalten ändert sich. Es entsteht ehrliche Nächstenliebe. Sie folgt Jesus` Wesen und beruht nicht auf Kalkül. Er gab nie jemanden auf. Er folgte den Emmausjüngern, die eigene Wege gehen wollten (vgl. Mk 16, 12 ff). Nach der Speisung der 5.000 gingen die Menschen, die gerade ein Wunder erlebt hatten, fort von ihm (Mk 6, 33 ff). Jesus will zwar niemanden verlieren, aber er lässt den Menschen ihre freie Entscheidung. Er hinderte sie nicht zu gehen.
Das, was wir tun, sollte „gewürzt“ sein mit dem Evangelium. Ich bin ein Christ und bekenne mich zu meinem Glauben. Der gibt mir Reichtum und Perspektive. „Das ist meine Zukunft.“
Priester Alexander Schade, Gemeindevorsteher in Mötzingen, gab der Wiedersehensfreude Ausdruck, denn Corona bedingt waren zeitweise persönliche Begegnungen Mangelware. Aber, noch viel wichtiger, Gott sehen zu dürfen. Und Gnade zu finden. Wir sind nun einmal sündhafte Menschen. Wie schnell gibt es ein falsches Wort. Wollten wir gar nicht und schon ist es herausgerutscht. Umso notwendiger sind uns göttliche Vergebung und Gnade.
Daran schloss sich der Apostel vor der Sündenvergebung an mit dem Appell, andere aus der Haftung für ihr Tun uns gegenüber zu entlassen.
Am Ende des Gottesdienstes bat der Apostel die Jettinger „Quadrofoniker“, noch einmal in Aktion zu treten. Die erfüllten gern diesen Wunsch, wieder aus allen Richtungen singend und trotzdem vereint:
„Lob, Preis und Dank und Ehre dir, der in dieser Zeit
uns liebend angenommen, auf ewig uns befreit.“
(Refrain „Lasst unser Loblied steigen, Chorbuch Lied Nr. 268, Text bearbeitet von Renate Ramelow, geb. 1953)