Daran nimmt eine große Gemeinde teil: Alle Glaubensgeschwister aus dem gleichnamigen Bezirk konnten per Übertragung (Video-Livestream) dabei sein. Pandemie bedingt entfielen dort an diesem ersten Sonntag im Mai alle Präsenzgottesdienste.
"O seliger Sonntag, du Tag meines Herrn..."
(Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche Nr. 114, Melodie Henry Rowley Bishop, 1786 - 1855)
Gleich als erste erklang diese an der Orgel vor dem Gottesdienst gespielte Melodie. Wer bereit war, sich auf die Botschaft einzulassen, der konnte trotz kühlen Wonnemonatsbeginns diese Sonntagsseligkeit spüren. Im heimischen Wohnzimmer oder wo auch immer. Bischof Urs Heiniger begann im Eingangsgebet mit dem Wunsch, eine große Gemeinde möge ein Zeichen der Dankbarkeit setzen: Gott loben. Seinen Sohn, der ein gemeinsames Glaubensziel bereitet hat. Daraus trotz aller gegenwärtigen Sorgen Kraft schöpfen können und jedem Frieden zu schenken, das war die Bitte. Ein jedes möge unter Gottes Wort selig werden.
"Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit. Wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit." (1. Kor 1, 22 - 24). Nach der Verlesung des Bibelworts kam von der Orgel die Melodie des Lieds "Mit dir, o Herr, verbunden fühl ich mich nie allein; ..." (Gb. Nr. 189, Text Jane Cross Simpson 1811 - 1886). "Ich wünsche mir, dass wir diese Verbindung spüren dürfen. In Sorge und Schmerz fühlen wir uns oft allein. Aber da ist einer, der sieht uns. Jesus lässt uns nicht allein. Auch wenn nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen. Um das wahrnehmen zu können, hilft uns der sonst nützliche Verstand nicht weiter. Es braucht den Glauben, den wir wie ein "Sinnesorgan" nutzen müssen. Das fiel schon den ersten Christen nicht leicht. Ein Anliegen des Bischofs war, dass allen, durch welche Lebenssituation auch immer sie sich gerade herausgefordert fühlen, ob Kind, Jugendlicher, Kranker, dies gelingen möge.
Er stellte dann die beiden Gruppen "Juden und Griechen" einander gegenüber: Bei ersteren ging es traditionell um das Irdische. Wer die Gebote einhielt, der sollte reüssieren. An dieser Einstellung sind sie gescheitert. Der Gottessohn kam und war alles andere als ein König. Er stellte sich den Sündern gleich. Zwar konnte er Wunder tun, die von ihm auch gefordert wurden. Aber er befreite die Juden nicht vom Joch der Römer und beglückte sie nicht mit irdischem Reichtum. Für uns in der Zeit einer Pandemie läge auch der Gedanke nahe, Gott könnte doch... Kranke müssen oft einen Schlag nach dem anderen hinnehmen. Ich habe doch geglaubt und gehofft - warum? Das sind urmenschliche, keine speziell jüdischen Vorstellungen. Bei den "Griechen" ging es um Denkmodelle, Erklärungsketten. Jesus wird geboren und stirbt den schändlichsten Tod eines Verbrechers. Er soll der Herrscher sein? An fehlenden Erklärungen scheitern viele. Gottes Gebot, sich die Erde untertan zu machen (vgl. 1. Mos 1, 28), wozu auch das Gebrauchen des Verstands gehört. Und dann kann der es nicht begreiflich machen? Daran scheitern viele, denn so etwas geht gar nicht. Sie ärgern sich..
"Christus als Kraft und Gottes Weisheit" kann dich befähigen, darüber zu stehen. Die Kraft gibt er denen, "die berufen sind." Nicht exklusiv, sondern alle sollen das erleben können. Man fragt sich als Kind, was könnte mein Beruf sein? Klassische Vorstellung kleiner Jungen früher - Lokomotivführer. Muss toll sein. Später wird es differenzierter. Wovon will ich leben? Was sind meine Fähigkeiten? Wir fragen wir uns, welche Gaben Gott mir gegeben hat, damit ich damit arbeiten kann. Will ich nur meinen Job machen oder will ich freudig etwas bewegen? Tue ich etwas nur der Form halber oder bin ich mit dem Herzen dabei? Dann habe ich Gottes Ruf gehört, versuche, meine Gaben zu nutzen. Dann eröffnet sich mir etwas. Dazu den Glauben einsetzen - wem fällt das schon immer leicht. Ein Wunder sollte geschehen. Tut es auch, nur wir erkennen es nicht. Fühle ich auch dann Gottes Ruf?
Stille werden können, um sich mit Gott verbunden zu fühlen, griff der Bischof noch einmal das zu Beginn gespielte Lied auf. "Lasst uns den Glauben einsetzen. Auch und gerade jetzt, wenn die Tage uns freudlos erscheinen können. Kinder dürfen ihre Freunde nur selten sehen, Home-Office, da trägt die Dauer die Last, und Studenten vermissen ihre Kommilitonen. Es ist uns nicht egal, was alles jetzt fehlt. Aber wir können trotzdem innere Ruhe haben. Als Gemeinde zusammenbleiben, auch wenn wir uns zum Teil nun schon über ein Jahr lang nicht gesehen haben. Nicht den eigenen Gedanken in den Vordergrund stellen. Wenn Gottes Geist Raum hat, dann entwickelt sich Wunderbare an Gedanken. "Mit ihm verbunden können wir unseren Weg weitergehen."
Bezirksvorsteher Klaus von Bank kam zurück auf das "Urmenschliche". Das ist nicht per se schlecht, denn Gott hat uns so gemacht. Es ist nichts Negatives, Beweise haben zu wollen. Er nannte das Beispiel Mathematik. Oder die Juristerei. Ein Gerichtsurteil sollte durch eine schlüssige Beweiswürdigung, das Abwägen von Fakten, wie sie sich nach einer Beweisaufnahme darstellen, begründet sein. Dass der Mensch Beweise fordert, ist nachvollziehbar. Gott bekannte sich zu seinem Sohn bei dessen Taufe. Jesus hat zwar Lazarus auferweckt. (vgl. Joh 11, 1ff). Aber obgleich Christus auch vom Krauz hätte herabsteigen können, tat er es nicht. (vgl. Mt 27, 40, 42). Gott kann, muss sich aber nicht beweisen. Sonst bedürfte es nicht des Glaubens. Wenn wir ihm glauben wollen, dann erleben wir ihn auch. Er setzt Zeichen, schafft Wunder. Nicht, weil wir sie fordern. Sondern weil wir glauben.
Danach der Bischof: "Jetzt erleben wir in der Sündenvergebung den Beweis seiner Liebe." Durch Jesus´ Opfer schenkt er uns auch heute ein Stück Herrlichkeit und Frieden."Sein Wille geschehe"; und wir erbitten, dass seine Herrlichkeit kommen möge.
Klaus von Bank hatte es schon erwähnt. Zwei Gottesdienste mit unserem Bischof direkt nacheinander. Passt schon, einmal Herrenberg am Monatsende April und Tübingen am Monatsanfang Mai. Urs Heiniger hatte auch kein Problem damit gehabt, schon wieder in den Bezirk Tübingen zu kommen, noch dazu in eine fast leere Kirche. "Am frühen Sonntagmorgen ganz aus dem Süden Baden-Württembergs herzufahren und damit durch den gesamten Apostelbereich hat mich unterwegs an die vielen Geschwister aus den verschiedenen Bezirken denken und mich mit ihnen verbunden fühlen lassen. "Gottes Hilfe und alles Gute!", das war sein Abschiedswunsch.