Viele bunte Frühlingsblüher in den Vorgärten um das Kirchengelände herum und freudige Glaubensgeschwister sorgen für einen Augen und Herz erfreuenden Empfang trotz winterlicher Kälte.
"Kommt, stimmet alle jubelnd ein, Gott hat uns lieb!"
(Gesangbuch der neuapostolischen Kirche Nr. 68, Text Ernst Heinrich Gebhardt, 1832 - 1892)
So beginnt das von der Orgel gespielte Eingangslied. Ein Lied, das im aktuellen Gesangbuch im geistlichen Jahr Ostern zugeordnet ist und nicht, wie früher, Weihnachten. Gottes Liebe zu den Menschen, für die Christi Geburt steht, zeigt sich noch mehr an Ostern: Nach Jesus` Opfertod folgt mit der Auferstehung ein ganz besonderer Höhepunkt.
"Lass unser Herz offen sein für alles, was du uns mitgeben möchtest. Damit wir Freude im Herzen und Auferstehungsleben mitnehmen dürfen. Dazu möchten wir uns jetzt im Gottesdienst abwenden können von der Normalität unseres Alltagslebens mit all seinen Beschränkungen, gerade in dieser besonders schwierigen Zeit, um uns dir zuwenden können.", so betete der Apostel zu Beginn.
"Meinen Frieden gebe ich euch - habt ihr noch Angst in der Welt, so fürchtet euch nicht: Meinen Frieden gebe ich euch.", folgte ein Textbeitrag, gesprochen von einer jugendlichen Stimme, mit Klavierbegleitung. Das griff Schnaufer auf. Es ist gut, wenn wir im Alltag an den göttlichen Frieden denken. Wenn wir uns perspektivlos, verlassen, belastet von Ungewissheit fühlen. Der Frieden Christi (vgl. Joh 14, 27 ff), der zum menschlichen Frieden hinzukommt, den der Gottessohn uns gibt, hat eine ganz andere Dimension. Wir sind erschüttert, eine ärztliche Diagnose, ein unangenehmes Gespräch mit dem Chef, ein familiäres Problem ... und da soll unser Herz nicht erschrecken? Doch, sicher. Aber dann neuen, göttlichen Frieden verspüren können, so dass wir nicht dauerhaft geschockt, entsetzt sind, darum geht es. Wenn man empfinden kann, dass nichts dem Zufall überlassen ist, sondern man in der Hand Gottes bleibt. "Der Friede des Auferstandenen sei mit euch:", dieser Wunsch ist als Bestandteil der Liturgie jedes Gottesdienstes kein bloßes Ritual, sondern gibt eine besondere Kraft für die Seele.
"Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist." (Kol 3, 1, 2). Schnaufer ging nun auf das eingangs verlesene Bibelwort für den Gottesdienst ein. Er ließ die vergangenen Festtage - Karfreitag und Ostern - noch einmal wach werden. Nicht als historische Abhandlung, sondern aktuell zu erleben als Liebeserklärung Gottes an die Menschen: das Opfer seines Sohns. Der Apostel erinnerte an Paulus` Brief an die Römer: Durch die Taufe mit ihm begraben in den Tod, auf dass auch wir wie Christus, der von den Toten erweckt wurde, durch die Herrlichkeit des Vaters in einem neuen Leben wandeln (vgl. Röm 6, 4). Christus will uns mit in das neue Leben nehmen. Unsere Aufgabe dabei ist, uns mitnehmen zu lassen. Seine Auferstehung ist unsere Hoffnung. Die Feiertage sind Anlass, sich das jedes Jahr wieder bewusst zu machen. Eine Entwicklung - mit Christus durch die Taufe in den Tod, um wiedergeboren zu werden durch Wasser und Geist. Das ist nicht selbstverständlich. Dazu braucht es die Gemeinschaft mit dem Sieger. Der Tod ist verschlungen in den Sieg. "Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?" (1. Kor 15, 55). Wir dürfen an der Seite des Siegers sein. Auf ihn, den Lebendigen, ist der Blick gerichtet. Er ist mitten unter uns. Deshalb fragte er "Saul, was verfolgst du mich?" (Apg 9, 4), womit er mit "mich" seine Gemeinde meinte. Beim Weltgericht (Mt 25, 40) wird abgewogen: Du hast mich besucht, denn was du einem meiner Geringsten getan hast, das hast du mir getan. (vgl. Mt 25, 40)
Der Wiedergeborene sucht die Gemeinschaft mit dem, der wiederkommt. Trachtet zuerst, was nicht heißt, ausschließlich, nach dem Reich Gottes. (Mt 6, 33) Erfolge im irdischen Leben anzustreben, das ist völlig in Ordnung. Aber was sind die Prioritäten? Will ich als mein Ziel die enge Gemeinschaft mit Jesus, dann trachte ich danach. Wir erleben das, was alle Menschen erleben. Und müssen oft sehen, dass es den Gottlosen gut geht (vgl. Ps 73, 16). Aber wichtig ist nicht nur dieses Leben hier. Nein, Jesus nimmt uns nicht jede Aufgabe ab. Aber wichtiger ist das ewige Leben. Und doch, haben wir nicht oft auch durch das "Ja" zu Christus auch Vorteile im irdischen Leben? So manches Mal ist da auf wunderbare Weise Gottes helfende Hand spürbar. Nein, kein Automatismus. Und wenn es nicht so ist - es bleibt die Freude, dass der Auferstandene mit mir ist. Hoffnung, wenn es finster um uns herum ist. Seine Wiederkunft ist gewiss. Diese Aussicht geht über das Irdische hinaus.
Die Kirche könnte uns als nicht perfekt erscheinen. Sicher, das Amt ist ein vollkommenes, wird aber von unvollkommenen Trägern ausgeübt. Und der will mir predigen? Was ist dir wichtig an der Kirche - der sichtbare Teil oder das dahinter stehende Erlösungswerk Christi? Was ist unser Ziel? Wir wollen nach dem trachten, was droben ist. Wenn wir daran teilhaben, dann geht es nicht um das, was der Mensch vor Augen hat. Was will ich denn von der Kirche? Im Gottesdienst Kraft und Freude bekommen. Meine Geschwister sind fehlerhafte Menschen, aber wir alle werden vom Herrn geliebt. Wir freuen uns gemeinsam auf Christi Wiederkunft. Wozu haben wir uns entschieden? Wo wollen wir hin? Was ist die Perspektive? Ihm, Jesus, gleich zu sein und ihn sehen zu können, wie er ist. "Daran wollen wir arbeiten!"
"Jesus bleib in meinem Leben, Weggefährte, bester Freund.., lass uns selig bei dir werden." (Chorbuch für den neuap. Gottesdienst Nr. 307, Text nach Luise Hensel, 1798 - 1876), zitierte Bezirksvorsteher Klaus von Bank in seinem Beitrag zum Gottesdienst. "Heute Abend wurde uns der neue Mensch vor Augen geführt." Zu dem zu werden, bedeutet, als Erstes nach dem Reich Gottes zu trachten. Irdische Freude, Glück, Genuss - sie sind vergänglich, und, wenn sie das Einzige sind, was uns vorschwebt, dann müssen wir immer dabei Angst haben: Heute kann ich das genießen und was ist morgen damit? Das Irdische ist nicht alles. Das zu wissen, ist ein großer Reichtum.
"Im heiligen Abendmahl jetzt wollen wir neue Kraft für unsere Aufgabe schöpfen, unser Leben richtig zu ordnen.", so der Apostel anschließend.
An diesem Abend war noch eine besondere Aufgabe zu erfüllen: Ein Priester aus der Gemeinde Bondorf sollte nach zweiundzwanzig Jahren in diesem Amt in den Ruhestand verabschiedet werden. Schnaufer zitierte aus einem Schreiben, das er dazu bekommen hatte. Ein Satz daraus brachte es auf den Punkt: "Er war offen für alles, bereitwillig, besonnen und freundlich." Bewundernswert tiefer Glaube trug ihn. Er hatte die Gabe, im richtigen Moment zu reden. Oder zu schweigen. Und er konnte jetzt das abschließende Resumée ziehen: "Eigentlich war es schön. `Ja` zu dem Amt zu sagen, das hat mein Leben bereichert." Der Apostel bedankte sich bei dem - jetzt - Priester im Ruhestand und war sich sicher, dass er weiter für die Gemeinde da sein werde. "Alles Gute für Sie und Ihre Familie, die die zweiundzwanzig Jahre mit Unterstützung und Verzicht mit dabei war. Der liebe Gott sei mit Ihnen."
Mit dem nötigen Abstand verabschiedete man sich draußen im Vorgarten voneinander, auf andere Zeiten hoffend, in denen man wieder "vollständige" Gesichter bei solchen Gelegenheiten sehen würde. Jetzt, Mitte April 2021, musste es ein Augen-Blick tun.