Die Trauerfeier leitet Klaus von Bank, Vorsteher des Bezirks Tübingen.
"So nimm denn meine Hände und führe mich
bis an mein selig Ende und ewiglich!
Ich kann allein nicht gehen, nicht einen Schritt!
Wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit!"
Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche Nr. 194, Text Julie von Haussmann, 1826 -1901)
Im Eingangsgebet wurde um Kraft und Trost im Schmerz über die irdische Trennung von einem geliebten, wertgeschätzten Menschen gebeten. Viel Kraft koste das. Aber es gebe auch Dankbarkeit dafür, durch das Leben der Verstorbenen gesegnet worden zu sein. Das verleihe dem Abschied seinen besonderen Glanz. Und letztlich beseele der Glaube, der uns auf ein Wiedersehen bei der Wiederkunft Christi hoffen lässt.
"Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende." (Pred 3, 11). Nach der Verlesung des Bibelworts wandte sich von Bank an die Familie, Ehemann, Tochter und Sohn. Er erinnerte sich an die letzte Begegnung mit der Mutter und Ehefrau, die nur online mit einem Video hatte stattfinden können. Freudig, zuversichtlich habe sie, inmitten ihrer Kinder sitzend, gewirkt. Und jetzt dieser Nachmittag. Der Weg zur Kirche hatte den Bezirksvorsteher an dem Friedhof vorbeigeführt, auf dem am Mittag die Beisetzung stattgefunden hatte. Einmal noch das Bild vom vollen Leben in der Erinnerung. Und nun ist alles Irdische vorbei. Das ergreift uns. Lässt uns nicht los. Aber, schön, wenn man dann auf den Glauben schauen kann.
"Alles hat seine Zeit", so ist das dritte Kapitel "Der Prediger Salomon" überschrieben, dem das Bibelwort entnommen ist. Beginn und Ende sind besondere Augenblicke. Der Unterschied zwischen dem einen und dem anderen kann größer nicht sein. "Aber wenn Liebe und Glauben da sind, beides habt ihr Angehörigen und beides prägte das Leben der in die Ewigkeit Gegangenen, die dauern fort." Damit wollen wir uns jetzt befassen.
Die Angehörigen hatten einen Lebenslauf verfasst und den in verschiedene Abschnitte unterteilt:
1951 wurde Gisela in Lauffen am Neckar in ein neuapostolisches Elternhaus geboren. Später zog die Familie nach Herrenberg. Der Vater verstarb, als die Tochter erst zwanzig Jahre alt war. Fortan machte sie es sich zu ihrer Aufgabe, der Mutter beizustehen. Schwere Zeiten für die Tochter, die bei ihr Spuren hinterließen. Trotzdem - Bildung war ihr wichtig. Das gab sie so auch an die beiden Kinder weiter. Ausbildung, ein qualifizierter Beruf und entsprechende Tätigkeiten bestimmten Giselas Arbeitsleben.
1977 haben sie und Gotthilf Kohfink geheiratet. Fürsorge, Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft, das Bemühen um ein friedliches Miteinander prägten das Familienleben. Allen zugeneigt, war sie dabei der "Fels in der Brandung", zitierte der Bezirksvorsteher aus dem Lebenslauf. Später, in den Krankheitstagen mit zunehmender Hilfsbedürftigkeit, kehrte sich das um: Jetzt waren die anderen aus der Familie ihr Fels in der Brandung. Sie klagte nicht, und die drei stärkten sie und halfen ihr.
Gern brachte sie sich in der kirchlichen Gemeinschaft ein. Früh hatte sie das Spielen auf dem Harmonium erlernt. Von 1971 bis 2020 war sie später Organistin in der Herrenberger Kirche. Chor, Gemeindeorchester, sie war mit dabei. Dazu zwanzig Jahre lang eine verantwortungsbewusste Vorsonntagsschullehrerin. Zu erwähnen die Beteiligung an der kirchlichen Putzgruppe. Deren Fehlen man bekanntlich merkt, deren Wirken aber nicht, weil es im Hintergrund geschieht. Glaube, Gottvertrauen und Verlässlichkeit machten das alles möglich.
Dazu die nicht einfache Aufgabe, Ehefrau eines Seelsorgers zu sein. Gotthilf Kohfink war Priester und in diesem Amt auch zeitweise als Gemeindevorsteher in Jettingen beauftragt. Die Aufgabe der Frau an seiner Seite dabei: Sich mit an den Höhen zu freuen und die Tiefen, Enttäuschungen, ohne deren Ursache zu kennen, mitzutragen. "Einfach" so.
2003 erkrankte Gisela an einer seltenen aggressiven Krebsart. Sie wurde aus dem Krankenhaus entlassen, weil keine medizinische Hilfe mehr möglich war. Ein Wunder - trotz der ärztlichen Prognose des bevorstehenden baldigen Todes erlebte sie noch siebzehn vom Krebs unbelastete Jahre. Ein Wunder und ein ganz besonderes gemeinsames Leben für alle. Im Juli 2020 befiel sie, unabhängig von der ersten, wieder eine aggressive Art von Krebs. Es gab kein zweites Wunder: Gisela verstarb am 17. März 2021.
Nicht, ohne einen Auftrag an die Familie zu formulieren, den sie, von der Chemotherapie geschwächt, nicht mehr selbst aufschreiben konnte: "Danke" an alle, die sie mit Gebeten und Liebesdiensten durch die letzten Erdentage begleitet haben.
"Familie, Freunde, Gemeinde, die letzten Tage haben euch alles zugemutet, was ihr tragen konntet. Und trotzdem - Grund zur Dankbarkeit, das durchgestanden zu haben. Zur jeweiligen Zeit hat Gott alles gut gemacht." Glauben können, Zusammenhalten und Frieden
bewahren geben trotz allem Elend ein gutes Gefühl. Die Menschen gehen nun einmal ihren Weg und wissen, dass keiner ewig lebt. Gisela hat ihn angenommen im Glauben, dass das nicht wirklich das Ende ist. Trotzdem - Trauer und Trennungsschmerz sind einfach da, und schlimm wäre es, wenn nicht. Aber Dankbarkeit und die Aussicht, vom Glauben zum Schauen zu kommen, wenn unsere Seelen einander wiedersehen werden, sind uns Trost. "Die Bilder der letzten Tage des Leidens sollen die Bilder des Lebens nicht dauerhaft überschatten. Dazu möge Gott Trost, Kraft und Hilfe geben.", so eine der Bitten im Schlussgebet.
Orgel- und Klaviermusik hatten das Ihre zur Gestaltung des irdischen Abschieds beigetragen. Wie schon am Anfang, so soll auch am Ende der Text eines der Lieder dieses Nachmittags in der Herrenberger Kirche stehen:
" Was ich tief im Herzen trag, wohl kein Auge sieht,
tönt nur in der Seele mir wie ein sehnend, sehnend Lied.
Und ich höre süßen Klang, oh so schön wie Engelsang,
wunderbar und rein. ..."
(Chorbuch für den neuapostolischen Gottesdienst Nr. 439, Text Hermann Engelhardt, 1872 - 1938)