Von der Freiheit, der Gerechtigkeit und der Gnade...
Herr, sei mir gnädig, mache mich frei, bis alles irdische Ringen vorbei,
bis ganz mein Wesen dein Abglanz ist und du, Herr Jesus, dann alles mir bist!
(Chorbuch für den neuapostolischen Gottesdienst Nr. 117, Vers 3, Text nach Leila Morris,1862 - 1929)
An Gedanken aus dem gerade verklungenen, zu Beginn des Gottesdienstes in Nufringen vom gemischten Chor gesungenen Lieds knüpfte Apostel Martin Schnaufer an: "Christus macht frei" ist das Motto neuapostolischer Christen im Jahr 2020. Was soll das bedeuten - wer ist gefangen? Gerade In unseren Breiten soll es Unfreiheit geben? Auch hierzulande heißt Freiheit nicht, dass ich tun und lassen kann was ich will. Es gibt Grenzen. Die setzt einem schon das eigene wollen (können). Und auch der Wille anderer und deren Freiheit beschränken. Damals, als Jesus in die irdische Welt kam, war sein Volk unfrei: Es gab Spannungen unter den Juden, die sich in zum Teil konträrer religiöser Zersplitterung zeigten. Und politisch - das auserwählte Volk war nur noch eine Provinz im Römischen Reich, das seine Autonomie verloren hatte. In dieser Zeit vom erwarteten Messias eine Befreiung aus diesem Zustand zu erwarten - ein irdisches Missverständnis. Der erschien, weil die Zeit erfüllt war. Da sandte Gott seinen Sohn (vgl. Gal 4, 4). Der kam ohne jegliche politische Ambitionen. Wir in unserer Zeit sorgen uns auch um Vieles. Haben Fragen. Wünschen uns die Lösung der Probleme. Aber auch heute geht es bei der Erwartung der Wiederkunft Christi nicht um die Hoffnung auf deren Lösung und die Befreiung davon. Wir möchten zusammen mit denen, die sich für Christus entschieden haben, ewige Gemeinschaft mit Gott haben. Gemeinsam mit denen, die wissen, dass sie dazu auf göttliche Gnade angewiesen sind. Dessen sollten und wollen wir uns immer bewusst sein, um unsere Teilhabe an ewiger Gemeinschaft mit Gott nicht zu gefährden.
Freiheit bedeutet auch, von menschlicher Sichtweise wegzukommen. "Der Herr kommt wieder.", das ist die Ausrichtung. Auch in deiner Gemeinde, die ein Geschenk für dich ist, soll das Grundlage sein. Negative Gedanken belasten und fesseln. Christus hat versprochen: Ich bin bei dir. Auch dann, wenn du mutlos bist. Alle Tage, bis ans Ende der Welt. Er hat seine Wiederkunft versprochen. Er hat für dich sein Opfer gebracht. Das macht uns frei. Versetzt uns in eine Aufbruchsstimmung hin zum Herrn. Das Jahresmotto kann eine große Dynamik entwickeln. Sich abfinden, es recht finden, wie es gerade so ist, das kann diese Freiheit blockieren. Du hast Manches schon so oft gehört. Na und? Der Wert eines Gottesdienstes liegt auch in der Bestätigung dessen, was man eigentlich weiß, aber das doch oft nicht im Vordergrund steht: Ja, aber es geht immer noch um die Wiederkunft Christi. Trotz der Zeit, die seither vergangen ist. Sich dazu nicht innerlich auf Distanz begeben, sonst erlebst du keine Freiheit.
"Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken." (Ps 147, 17). "Gerecht und gnädig - schließt sich das nicht wechselseitig aus?", begann der Apostel auf das eingangs verlesene Textwort einzugehen. Gott kann beides verbinden. Das Böse war nicht angelegt in der göttlichen Schöpfung. Dafür sorgten andere - Stichwort Sündenfall. Davon will Gott freimachen, er, der aus Bösem Gutes machen kann. Joseph und seine Brüder, die ihn in die Sklaverei verkauft hatten und später, ängstlich, als Bittsteller vor ihn treten mussten und dessen Rache befürchteten. "Stehe ich denn an Gottes statt? Der Herr wollte es gut machen.", so die nicht erwartete Reaktion dessen, dem übel mitgespielt worden war (vgl. 1. Mos 50, 19, 20).
Gott beurteilt uns nach unserer Herzenseinstelllung, nicht nach unseren Werken. In diesen Tagen können wir erleben, wie schnell die guten Vorsätze, gefasst am Jahresanfang, entschwinden. Der Herr sieht und bewertet unseren Willen, Jesus treu zu sein, als wahrer Christ zu leben, bei Christi Wiederkunft dabei zu sein - geht es gerechter? Wir haben unterschiedliche Begabungen, unsere Lebensumstände sind nicht dieselben für alle. Der Herr kann das jeweilige Ergebnis des Einzelnen bei der Umsetzung göttlichen Willens richtig einordnen. Er urteilt nach unserem Herzen und schenkt jedem die Möglichkeit, dereinst im Tausendjährigen Friedensreich zu sein.
Gott ist gnädig. Er will alle in Liebe annehmen. Daher Jesus´ Opfertod, in dem für jeden die Chance der Befreiung und der Zukunft bei Gott liegt, der dieses Angebot annimmt. In Gottes neuer Schöpfung soll jeder seinen Platz finden, der diese Chance genutzt hat. Jeder - und das ist Gnade. Gerechtigkeit? Das Beispiel von den Arbeitern im Weinberg - ungleicher Lohn für viel und weniger Arbeitende? Der Ersteren versprochene Lohn wurde dadurch nicht gemindert. Sie bekamen, was ausgemacht war. Der Mensch stellt Vergleiche mit anderen an und da kann man sich ganz schnell benachteiligt fühlen, ohne es wirklich zu sein. Für den Verlorenen Sohn wird bei dessen Rückkehr ein Fest veranstaltet und für den daheim Gebliebenen? Gott ist an seiner Liebe für alle zu messen und nicht an unserer Bewertung und dem Vergleichen des einen mit dem anderen. Sein Geschenk ist so überwältigend, dass menschliche Maßstäbe nicht zählen. "Er ist immer gerecht, immer gnädig und voller Liebe!"
Erich Maier, Gemeindevorsteher in Jettingen, betonte, dass menschliche Ansichten darüber, was gerecht ist und was nicht, nicht weiterhelfen. Denn, was ist danach schon gerecht? Gott hat seinen Weg festgelegt und an uns ist es, nachzufolgen, um ein Erbe zu erlangen, das für alles entschädigt. Glauben zu dürfen, auch das ist Gnade. Ein Gottesdienst kann auch eine Bestätigung für unser Glaubensleben sein, damit wir als freudige Gotteskinder in unserer Zeit im göttlichen Sinn weitergehen können.
"Jede Begegnung mit dem Herrn ist uns Bestätigung, Ermunterung und Ermahnung auf unserem Weg zum Ziel.", bekräftigte der Apostel. "Wir gehen jetzt auf den Höhepunkt des Gottesdienstes zu, die Feier des Heiligen Abendmahls." Ein Geschenk, nichts, worauf wir einen Anspruch haben. Aber Bußfertigkeit ist Voraussetzung für Vergebung. Die Einstellung: Ich will nichts so lassen wie es ist. "Sag ´ja´ zu der Aufgabe, so werden zu wollen wie Jesus es vorgelebt hat."