Beim Ersten Internationalen Kirchentag der Neuapostolischen Kirche 2014 in München gab es die Aktion „Meine Gemeinde im Schuhkarton“. Kirchengemeinden waren aufgerufen, in ein solches Behältnis alles hineinzupacken, was sie einer anderen Gemeinde, die sie – noch – nicht kannten, über die eigene an Charakteristischem und Mitteilenswertem „erzählen“ wollten.
Die Kartons wurden alle zusammen, von weltweit von überall her gebracht, an einem Platz auf dem Kirchentagsgelände aufgebaut. „Botschafter“ der Kirchengemeinden durften sich für ihren mitgebrachten einen anderen Karton aussuchen. So landete der aus der Gemeinde Herrenberg in Malta. Wegen der Entfernung mit gegenseitigen Besuchen nicht ganz einfach, aber Kontakte anderer Art hat es schon gegeben. So u. a. herzliche Grüße des Vorstehers einer Herrenberger Nachbargemeinde, der auf der Mittelmeerinsel Urlaub machte. Als er dort nach dem Gottesdienst von seinen Bezirksnachbarn sprach, stellte er fest, dass die auf Malta nicht unbekannt waren. Etwas einfacher mit dem Treffen war es mit den Glaubensgeschwistern aus Zeulenroda. Deren Schuhkarton hatte die Herrenberger Botschafterin Rebecca von München mit ins Gäu gebracht. So wurden die schwäbische und die thüringische Gemeinde Partnergemeinden. Anfang Juni 2015 waren rund 20 Herrenberger der Einladung von Zeulenroda zu einem Fest dort gefolgt. Den Gegenbesuch in Herrenberg gab es im September 2015 in Herrenberg anlässlich des dortigen Gemeindefestes.
Auf dem Parkplatz hatte man ein großes Zelt aufgebaut. An den herbstlich dekorierten Tischen ließ es sich gut, trocken und windgeschützt zusammenhocken. Im Eingangsbereich der Kirche bekam jede/r Besucher/in ein Schild mit seinem Vornamen aufgebeppt. (Deshalb werden in diesem Bericht zum Teil auch nur die Vornahmen genannt.) Das erleichterte die Kommunikation. Die wurde auch noch durch ein Glas Sekt, getrunken im Foyer der Kirche, befördert, wo auch das Kuchenbuffet zu weiteren Genüssen animierte. Da lässt sich eine schwäbische Hausfrau nichts nachsagen. Gemeindevorsteher Klaus (Giringer) sprach nach einem gemeinsam gesungenen Lied ein Gebet und begrüßte besonders die, die von weit her – ca. 430 km einfache Fahrtstrecke – angereist waren. Leider hatten, auch zum großen Bedauern ihres Botschafters Jörg, nur neun Glaubensgeschwister aus Zeulenroda ins Schwabenland kommen können. „Herzlich willkommen“, hieß es zu Beginn vom Herrenberger Gemeindevorsteher. „Dieses Wochenende soll eines der Freude sein. Schön, dass wir unser Gemeindefest mit euch Gästen feiern dürfen.“ Wir wollen alle in dieser besonderen Gemeinschaft auch eine besondere Kraft erleben dürfen. Wenn man weltweit unterwegs ist, dann mag es äußerliche Unterschiede bei den einzelnen Kirchengemeinden geben. Aber, trotzdem, überall kann man sich als neuapostolischer Christ zu Hause fühlen, so der insoweit sehr erfahrene, weil berufsbedingt viel reisende Gemeindevorsteher. Der schilderte Wissenswertes über die Geschichte und die Gegenwart der politischen wie auch der kirchlichen Gemeinde Herrenberg. Um den Text nicht zu lang werden zu lassen, sei insoweit auf einen früheren Bericht anlässlich einer Jubiläumsfeier in Herrenberg verwiesen (link zum Vortrag Manfred Bayer in 2013) . Weiter hieß es, dass man sich in Herrenberg als Vorsteher wohlfühlen könne, besonders, nachdem seit einem Jahr die Kuppinger (Herrenberger Teilort) dazugekommen sind ( link zum Bericht letzter Gottesdienst in Kuppingen ). Die übrigens in die „Ehe“ mit der Gemeinde Herrenberg (Hauptort) das wunderbare, große und stabile Zelt mitgebracht hatten, das vor dem Kirchengebäude aufgebaut war. Und wer es bislang nicht wusste, nun, Herrenberg ist quasi Tor zur Welt, auch das kam zur Sprache. Die Stadt ist mit allen Ozeanen dieser Welt verbunden: Die Ammer entspringt bei Herrenberg-Haslach, fließt von da aus in den Neckar, der in den Rhein, der…usw. Dem Vorsteher war das gerade präsent, weil er am Vormittag im Ammertal mit der Weinlese beschäftigt gewesen war und auf gut Trinkbares in vergorenem Zustand der Trauben hoffte.
Botschafterin Rebecca erklärte zwischendurch den weiteren Tagesablauf und wünschte ausdrücklich, dass sich anschließend die Gäste als Erste zum Kuchenbüffet in noch voller Pracht und Schönheit desselben begeben sollten. Ganz so weit war es aber noch nicht, denn Botschafter Jörg aus Zeulenroda bekam Gelegenheit, seine Gemeinde vorzustellen. Und, abgesehen von der Lage – kurz vor der sächsischen und im Süden vor der fränkisch/bayerischen Grenze im Thüringer Vogtland gelegen - zeigen sich viele Ähnlichkeiten zu Herrenberg. Die politische Gemeinde (rund 30.000 Einwohner) und die kirchliche (rund 250 Mitglieder, zusammen mit denen aus zwei weiteren Teilorten, man hat dort drei Gemeinden zusammengeführt), entsprechen sich in Vielem. „Ich denke, wir feiern jetzt!“ hieß es abschließend. Ach ja, Gastgeschenke gab es auch noch. Unter anderem – wie betont wurde – schon „fertigen“ Wein aus dem Thüringer Weinanbaugebiet Saale-Unstrut in gläserner Verpackung und, man baut auch Hopfen an, das in Flaschen gefüllte Endprodukt thüringischer Braukunst. Wohl bekomm`s.
Nach Kaffee und Kuchen folgte um 16.00 Uhr eine Stadtführung unter kundiger Leitung von Dorothea. Noch am Sonntagmorgen darauf zeigten sich die Teilnehmer voller Begeisterung. Die Führung dauerte eineinhalb Stunden. Stadttore, Stiftskirche, überhaupt die wunderbar restaurierte, reichlich fachwerkverzierte Herrenberger Altstadt, in der der süddeutsche Baumeister, der in Herrenberg geborene Heinrich Schickhardt (1558 – 1635) unübersehbare Spuren hinterlassen hat, beeindruckten Gäste wie Gastgeber, die selbst auch noch von ihnen bislang Unbekanntem hörten. Es gab zwischen dem (jetzt ehemaligen) Spital, es befindet sich hinter der Stiftskirche, einen unterirdischen Gang zur tiefer und schon einige Meter entfernt gelegenen Spitalkirche. So konnten die Kranken sicher dorthin und zurück transportiert werden. Und man erfuhr, ja leider, dass sich die Stiftskirche wegen der geologischen Beschaffenheit des Untergrunds immer weiter in Richtung Schönbuchrand verschiebt. Dafür gibt es auch schon bedrohliche Anzeichen in Form von Rissen in Pfeilern des Gemäuers. Noch steht die „Glucke vom Gäu“, so wird die Stiftskirche genannt, einigermaßen fest, wenn auch schon etwas zum Schönbuchrand hin verrutscht, an ihrem angestammten Platz, aber wer weiß.
Vom Stadtrundgang zurückgekehrt, war dringend eine Stärkung angesagt. Es gab verschiedene gebackene Fleischkäse, Salate und Zwiebelkuchen. Ab 20.00 Uhr wurden Cocktails angeboten. Wer wollte, konnte sich vorher an Spielen beteiligen. Da war für alle Altersstufen etwas dabei. Sport und Spiel, Kreatives und was man sich sonst noch alles hatte einfallen lassen. Schön, zu sehen, wie sich da besonders die Jugendlichen eingebracht haben, stellte ein sichtlich zufriedener Herrenberger Gemeindevorsteher am Tag danach fest. Und damit die Bildung nicht zu kurz kam, gab es auch noch ein Ratespiel: Schwäbische Begriffe waren herauszufinden bzw. deren hochdeutsche Übersetzungen. Drei Möglichkeiten wurden jeweils angeboten. Hier hatte sich Erika mit einem ausgetüftelten Fragebogen, 30 schwäbische Bezeichnungen hatte sie herausgesucht, viel Mühe gemacht. Dem ersten Sieger winkte ein Bildband über Herrenberg, dem zweiten Linsen und Spätzle. Ohne Saiten. Nicht wegen der Rücksicht auf Vegetarier und/oder schwäbischer Sparsamkeit, sondern wegen der weiten Heimreise. Nicht auszudenken, wenn die unterwegs verdorben wären…Und Saiten nicht frisch vom Metzger, aus Dose oder Glas – das geht gar nicht. Noch einmal zum Ratespiel – Omsveregganed, Visimadenda, meedichs…hätten Sie`s (als Nicht-Schwabe) gewusst?
Am anderen Morgen war zu erfahren, dass die Hocketse im Zelt am Abend vorher erst gegen 21 Uhr geendet hatte. Die Aufräumarbeiten dauerten dann noch ein bis zwei Stündchen länger…Aber wer geht schon gern, wenn es so schön ist, weil man sich gut unterhält und auch nicht frieren muss: Umsichtige Herrenberger hatten für die Beheizung des Zelts gesorgt.
An das schöne Zusammensein vom Vortag knüpfte Gemeindevorsteher Giringer gern an. Er leitete den Gottesdienst am Sonntagmorgen. Unter den Besuchern begrüßte er besonders die Gäste aus Thüringen. Wohlgefühlt habe man sich am Tag zuvor mit ihnen beim Gemeindefest. Er zitierte den Werbeslogan eines Versicherers, der eine „starke Gemeinschaft“ der Mitglieder propagiert. Unsere Gemeinschaft ist eine starke, in der es um etwas Ewiges und dabei Realistisches geht. Auch wenn es zur Zeit noch unbeschreibbar ist, mit Gott einmal zusammen sein zu können. Ihm gleich zu sein. Ihn zu sehen, wie er ist. Dass Gott die Menschen lieb hat, dich und mich, das ist nicht in Worte zu fassen. Großartig, die Natur, das Universum wahrzunehmen, die natürliche Schöpfung. Und erst die geistige. Und das alles hat der Vater im Himmel gemacht. Schwer vorstellbar.
Es ist nicht immer so einfach, den „schmalen“ Weg zu gehen, der in die Herrlichkeit führt, statt den bequemeren breiten. Wie im Natürlichen ist, besonders wenn ersterer in hohen Höhen liegt, äußerste Konzentration gefordert. Spannend ist er: Wie ist der nächste Schritt. Wo geht es hin? Was hat Gott mit mir persönlich vor? Wie setzt du deine Prioritäten? Über allem steht unser Glaube, der immer wieder an die erste Stelle gesetzt werden muss.
„Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.“ (Apg 2, 39)
Das Textwort ist vor dem Hintergrund des Pfingstgeschehens vor rund 2000 Jahren zu verstehen. „Normale“ Menschen waren vom Geist Gottes ergriffen worden. Jesus wurde zuvor von Gott wieder auferweckt. Dessen waren die Apostel damals Zeugen geworden. Und diese Verheißung jetzt? Es gibt für euch die Sakramente. Es wird die ewige Gemeinschaft mit Gott geben. Und die Verheißung gilt für eure Kinder. Und allen, die Gott herzurufen wird. Der hat bislang alle seine Verheißungen erfüllt. Der Apostel Petrus damals sprach vom Wirksamwerden des Geistes Gottes. Spürst du ihn? Kann er seine Kraft abgeben? Er muss sichtbar werden in unserem Wort und Wandel. Auch und gerade im Alltag.
„…euch und euren Kindern.“ Die Verheißung gilt auch den Nachfahren, denn Gott wird in alle Ewigkeit bestehen. Damals wurden wie heute die Apostel in alle Welt geschickt, um zu lehren und im Glauben zu unterweisen. Eltern sind aufgefordert, dies gegenüber ihren Kindern zu tun. Es ist Aufgabe der Gemeinde, den Jüngeren ein Vorbild zu sein. Primär geht es nicht um die Karriere, sondern um das ewige Leben. Dazu, das zu glauben, soll niemand überredet werden. Sondern überzeugt. Das geht nur, wenn man selbst überzeugt ist. Dann kann man andere ermutigen. Früher war manches anders, auch in unserer Kirche. Aber schon unsere Vorfahren haben am Werk des Herrn gearbeitet. Uns eint mit ihnen das Bestreben, unser Leben so auszurichten, dass wir auf ewig bei Gott sein können.
Volker Reutter, bis vor etwa einem Jahr Gemeindevorsteher in Herrenberg-Kuppingen, griff Petrus` Worte auf, dass die Verheißung auch denen gelte, die fern sind. Aus dessen Sicht damals sind wir heute es. In zeitlich weiter Ferne von damals. Und uns soll das Verheißene gelten. Jesus` Wiederkunft, um auf ewig bei Gott sein zu können. Und der hat bislang alle seine Verheißungen, wenn es um etwas Gutes geht, das kommen soll, erfüllt. Wie auch seine Ankündigungen von weniger Erfreulichem. Dazu wurden Beispiele aus Altem und Neuem Testament angeführt. Gott wird sein Werk vollenden, mit oder ohne uns. Das liegt letztlich alles in unserer Hand.
Carsten Dehner, Gemeindeevangelist in Herrenberg, freute sich über die in den gemeinsam verbrachten Stunden näher aneinander gerückten Mitglieder der beiden Gemeinden Zeulenroda und Herrenberg. Zwei Gemeinden, die Gleiches erlebt haben: die Zusammenlegung mit einer bzw. zwei anderen Gemeinden. Und trotzdem ist sicher – es geht weiter. Ja, es mag weniger Amtsträger geben, kleinere Chöre…aber die Sakramente bleiben. Gottes Werk hat Bestand bis zur Wiederkunft Christi. Das gilt es, an die weiterzugeben, die nach uns kommen, unsere Kinder. Der Heilige Geist lässt uns in eine wunderbare Zukunft sehen, in der Christus wiederkommen wird. Das stimmt zuversichtlich. C. Dehner zitierte
Johann Heinrich Pestalozzi (1764 – 1827), der Erziehung als Liebe und Vorbild definierte. In dem Sinn ist jeder in der Gemeinde aufgerufen, ein Vorbild für andere zu sein.
Den - vorläufigen - musikalischen Schlusspunkt setzten der Chor, nacheinander jetzt unter Herrenberger und Zeulenrodaer Dirigat. Klaus Giringer hatte nach dem Gottesdienst viel zu danken, den Organisatoren, insbesondere Botschafter und Botschafterin, den unermüdlichen tatkräftigen Helfern, denen, die für ein gutes Gelingen gebetet hatten… Insgesamt halt allen, die das Ihre zu diesem Wohlfühlerlebnis beigetragen hatten. „Gute Reise und herzliche Grüße an alle in eurer Heimatgemeinde.“, hieß es zum Schluss, ehe Botschafter Jörg noch einmal das Wort erhielt: „Herzlichen Dank und ebenso herzliche Einladung zum nächsten Fest am ersten Juni-Wochenende 2016 in Zeulenroda.“
Bis die Maultaschen ( vom Vorsteher für die Thüringer erläutert als schwäbische Ravioli, etwas größer als die italienischen) heiß waren, die es zum gemeinsamen Mittagessen, wieder im Zelt, geben sollte, zusammen mit schwäbischem Kartoffelsalat, 25 kg Krumbeere hatte man verarbeitet, war noch etwas Zeit. Die wurde erst mal überbrückt mit einem gemeinsam gesungenen Lied. Erika wollte anschließend im Zelt noch einen kleinen Grundkurs in Schwäbisch geben, bis das Mittagessen zum Verzehr bereit stand.
Bevor alle hinausgingen, gab es vom Vorsteher noch einen Googenwitz. Schließlich ist Herrenberg nicht ganz weit weg von Tübingen, wo diese etwas grob gestrickten Wengerter, genannt Googen, beheimatet sind. Einer von ihnen wollte über einen Baumstamm, der im Wasser lag, auf die andere Seite des Neckars gelangen, weil die Brücke nicht passierbar war. Ängstlich bat er um Gottes Hilfe. Alles ging gut. Kurz vor dem anderen Ufer hieß es, na ja, das hätte man auch allein schaffen können. Plumps…Nass wie eine Katze, kam vom Googen die Beschwerde nach „oben“: „Du verstehst überhaupt keinen Spaß.“
Zwei wunderbare gemeinsame Tage sind zu Ende gegangen. Die waren jede Mühe wert.