Lange bekannt und doch so plötzlich: Am Ersten Advent wird der Bezirksälteste in den Ruhestand verabschiedet werden.
„Hier ist mein Herz. Mein Gott, ich geb es dir, dir, der es gnädig schuf…“
( Gesangbuch der Neuap. Kirche, Nr. 197, Text Ehrenfried Liebig, 1713 – 1780)
Dem lieben Gott hatte Klaus von Bank sein Herz gewidmet und in Durchführung seines Amtsauftrags auch den Glaubensgeschwistern „seines“ Bezirks Tübingen. Anita Kittel hatte die Melodie des Lieds vor dem Gottesdienst an der Orgel gespielt. Völlig überraschend, im Monatsplan Dezember war es so nicht vorgesehen, leitete der Bezirksälteste an diesem Abend den Gottesdienst in seiner Heimatgemeinde. Im Eingangsgebet trat er für alle Menschen ein, die es schwer haben, die den unteren Weg gehe. „Sei unter uns und segne uns!“, das war die abschließende Bitte.
Es folgte nach der Verlesung des Bibelworts für den Gottesdienst ein Musikvortrag, gespielt am Klavier (Anita Kittel): „Es kennt der Herr die Seinen…“ (Gb Nr. 335, Melodie Johann Michael Haydn, 1717 – 1806). „Vor ein paar Wochenhaben wir uns richtig gefreut, als alle pandemiebedingten Abstandsregeln aufgehoben werden konnten und jetzt … wir nehmen es in Demut an und machen einfach das Beste draus.“, begann der Bezirksälteste. Auf das gerade verklungene Lied eingehend – der Herr kennt die Seinen – hieß es: Meine Schafe kennen meine Stimme. (vgl. Joh 10, 27). So hatte es Jesus einst gesagt. Eine Aussage, die wunderbar zum Textwort des Gottesdienstes passt: „Ein jedes Volk wandelt im Namen seines Gottes, aber wir wandeln im Namen des Herrn unseres Gottes, immer und ewiglich.“ (Mi 4, 5). „Im Namen seines Gottes“ – Jeder hat mindestens einen Vornamen, dazu einen Nachnamen und, nimmt man das Geburtsdatum hinzu, dann kann man sich ziemlich sicher sein, dass man den gefunden hat, den man sucht. Im Alten Testament diente der Name nicht nur der Identifizierung, sondern stellte auch die Bedeutung eines Menschen dar: Abram – Abraham: Vater eines großen Volks oder Petrus – Kephas (aramäische Form des Namens Petrus (Joh 1, 42), der Fels. Das auserwählte Volk hat den Namen Gottes geheiligt, weil es seinen Namen von ihm bekommen hatte.
„Im Namen Gottes wandeln“, das bedeutet, dies so zu tun, wie er es haben möchte. Was gehört dazu: Am Evangelium festzuhalten. Das kann doch kein Mensch schaffen? Aber die Frohe Botschaft lautet: Kommt zu mir, alle, die ihr beladen und mühselig seid. (Mt 11, 28). In Treue daran festhalten. Treue bis zuletzt. Im Namen Jesu sprechen. Jeder Gottesdienst beginnt: Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohns und des Heiligen Geistes. Wie soll das gehen? Jesus sagte, von mir wird er (der Heilige Geist) es nehmen und euch verkündigen (Joh 16, 13 ff). Es gehört Glaube dazu, in einem unvollkommenen Menschen den Geist Gottes zu erkennen, der spricht. Nur, wenn wir das im Glauben erfassen, bekommen wir die notwendige Kraft. Der Bezirksälteste nannte das Beispiel eines Regierungssprechers. Seine Erklärungen sind die der Regierung. Er weiß genau, was er sagen darf und was nicht. Was im Namen Jesu gesagt wird, ist nichts Eigenständiges. Wenn der Prophet sagt, so spricht der Herr (z. B. Jer 23, 11), dann ist es Gott, der redet. Jesus sagte, wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen (vgl. Mt 18, 20). Mit der richtigen Einstellung können wir dafür sorgen, dass er bei uns ist.
Petrus verleugnete den Herrn, als es eng wurde. Ein Fehler, der Jesus schmerzte. Du gehörst doch auch dazu, so war Petrus gefragt worden (z. B. Mt 26, 69). Von Bank erinnerte sich an eigenes Erleben. 1981 als junger Vorsteher der Gemeinde Pfrondorf sollte er die Trauerfeier für eine Glaubensschwester halten. Sein damaliger Bezirksvorsteher, der spätere Apostel Wolfgang Bott, „befreite“ ihn und kam selbst. Aber dann, eine weitere Trauerfeier, von Bank, erst 25 Jahre alt, war „dran“. Beklommen war ihm, alle Nachbarn würden da sein. Er ging zum Friedhof. Dessen Mitarbeiter kannte ihn und sagte, „wenn nachher der Prediger kommt, mit dem hätte ich was zu schwätzen.“ Und dann, das „Outing“ der besonderen Art: „Das kannst du gleich mit mir besprechen.“ Damit war der Bann gebrochen. Wenn man so erlebt, dass Gott zu einem steht und hilft, dann kann man vertrauen. Aber – du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen (2. Mos 20, 7). Kriege, Kreuzzüge, Hexenverbrennung, all das, was angeblich im Namen Gottes geschehen ist und geschieht, das wird nicht ohne Strafe bleiben.
Schön, wenn wir jetzt Gnade empfangen dürfen. Jesus damals hat Petrus nicht verstoßen, sondern ihn vielmehr zu dem Felsen gemacht, auf dem seine Gemeinde aufgebaut werden sollte (Mt 16, 18). Für die göttliche Gnade dürfen wir dankbar sein. Jeder, ohne Unterschied, darf daran teilhaben. „Jetzt feiern wir heiliges Abendmahl und Jesus tritt dazu.“
Im Schlussgebet wies der Bezirksvorsteher auf den folgenden Sonntag hin: Ein historischer Tag. Nach 40 Jahren wird der Bezirk Tübingen neu gestaltet, so, dass es segensreich für die Zukunft sein soll. Gott möge jetzt einen besonderen Frieden und Segen in die Seelen hineinlegen.
Nach dem Gottesdienst war noch einmal Thema, was alle Glaubensgeschwister im Bezirk umtrieb, besonders aber dessen Vorsteher: „Eine neue Zeit bricht an, gerade für mich. Ich habe in der Tübinger Kirche das Sakrament des Heiligen Geistes gespendet bekommen. Hier bin ich zusammen mit elf anderen Jugendlichen konfirmiert worden. 1975 bekam ich in dieser Kirche von Karl Kühnle (Bezirksapostel Neuapostolische Kirche Süddeutschland von 1975 -1995) meinen ersten Amtsauftrag. Unser Trausegen wurde hier gespendet. Und am kommenden Sonntag erfolgt dann in Herrenberg die Ruhesetzung. Bei meinen letzten Gottesdiensten in den verschiedenen Gemeinden habe ich immer die jeweiligen Vorsteher um einen Beitrag zur Predigt gebeten. Heute und hier nicht. Denn, den werde ich zukünftig noch sehr oft hören. „Alles Gute!“ Sprach`s und schlug zum letzten Mal hinter dem Altar stehend, (nach wie vielen Gottesdienstes in den Jahren zuvor?) die Bibel zu und legte sorgsam das Gesangbuch oben drauf.