Und auch in diesem Jahr, was sich im letzten niemand vorstellen mochte, mussten Pandemie bedingte Einschränkungen berücksichtigt werden. Aber das konnte die Freude über sieben junge Christen, die sich zu ihrem Glauben bekannten, nicht mindern.
Am 13. Juni fand in der Gemeinde Gärtringen unter der Leitung des Bezirksvorstehers Klaus von Bank der erste Gottesdienst mit Konfirmation im Jahr 2021 statt. „Herzlich willkommen!“, hieß es zu Beginn. Im Mittelpunkt stand der Konfirmand, der mit Angehörigen und Freunden in die Gemeinde gekommen war. Ihm wünschte von Bank unvergessliche, besondere Augenblicke und reichen Segen. „Wir können noch nicht so feiern, wie sonst üblich. Aber Gottesdienst dürfen wir erleben“. Und, zum ersten Mal im Kirchenbezirk Tübingen war es an diesem Sonntag auch wieder möglich, zwar mit Mundschutz, aber immerhin, zur Orgelbegleitung den Gemeindegesang anzustimmen.
„Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.“ (2. Thess 3, 3). Das war das Bibelwort für alle Konfirmationsgottesdienste im Jahr 2021 in der Neuapostolischen Kirche. In der Regel ist man so vierzehn Jahre alt bei der Konfirmation. Es sind junge Menschen, die den größten Teil ihres Lebens noch vor sich haben. Zu jung für ein Gelübde? Nein, man muss Kinder nicht nur aufziehen, sondern sie dann auch gehen lassen. In ihre Zukunft hinein, für die die Gegenwart wichtig ist. Da das Richtige zu tun, das bedeutet Arbeit. Bezogen auf den Glaubenskampf ist das mehr als „nur“ arbeiten. Der fordert das intensivste Wirken, das man sich vorstellen kann. Ein Beispiel: Es scheint alles ruhig zu sein, und dann kommt beim Schwimmen im Meer plötzlich eine Strömung auf, die das rettende Ufer unerreichbar scheinen lässt. Kampf ist jetzt gefordert. Nur keine Panik aufkommen lassen. Oder man geht in aller Ruhe seiner Arbeit nach und – wird gemobbt. Das alles ist Teil unseres Lebens. Auch der Kampf gegen sich selbst. Es kommen Situationen, die machen traurig und niedergeschlagen. In der Gemeinde geht es harmonisch zu. Doch dann ist unversehens ein Konflikt da. Verletzend und enttäuschend. In solchen Situationen bedarf es der Stärkung, die der Herr verspricht.
Was ist wichtig beim Kämpfen? Beim Sport ist es die richtige Ernährung. Das, was mir Kraft gibt. Für den Glaubenskampf haben wir das Wort Gottes. Nur dadurch gibt es ein Glaubensleben. Dazu das Heilige Abendmahl als Kraftquelle. Wir selbst sind gefragt, zu kämpfen. Aber wir sind dankbar für „Trainer“ und Helfer dabei, für guten Rat. Im Glauben gibt es Unterstützung durch Seelsorger. Es gab Vorsonntags-, Sonntagsschul, Religions- und Konfirmandenlehrer. Üben und lernen, sonst geht es bergab, so, wie es auch beim Studium ist.
Eine Bitte des Bezirksvorstehers, nicht nur an den Konfirmanden:„Bringt euch ein in eurer Gemeinde. Als Jugendliche steht ihr mitten im Leben. Ihr, der Nachwuchs, bedeutet die Zukunft. Gebt Zeugnis von eurem Glauben. Oft weiß man vorher gar nicht, wann das gefragt ist. Aber wenn man sich der Situation stellt, dann gibt das wieder neue Kraft. Pflegt die Gemeinschaft. Gott will keine Einzelkämpfer.“ Jesus` Appell an seine Jünger lautete, in Jerusalem beisammen zu bleiben. Sie folgten dem, gingen täglich in den Tempel und brachen gemeinsam das Brot (vgl. Apg 2, 46).
Die beiden Konfirmandenlehrerinnen für die Gäugemeinden des Bezirks Tübingen waren zum Gottesdienst nach Gärtringen gekommen. Sie teilten sich nun die Aufgabe, den Konfirmandenbrief 2021 von Kirchenpräsident Neuapostolische Kirche International, Jean-Luc Schneider, vorzulesen. „Der Herr ist treu.“ – das wurde den jungen Christen so noch einmal auf ihren weiteren Glaubens- und Lebensweg mitgegeben. Gewünscht wurden Augen, die sehen und Ohren, die hören. Sich von Gottes Liebe leiten zu lassen. „Habt viel Freude dabei!“ Das Gelübde zu halten, ist eine Lebensaufgabe, so von Bank in seiner Ansprache an den Konfirmanden, der vor den Altar getreten war. Es gibt viele guten Wünsche und Ratschläge. Einer davon: Gott zu bitten, ihn im Alltag erleben zu dürfen. Das wird oft erst im Nachhinein bewusst. Nicht sagen „Glück gehabt“, sondern erkennen können: „Lieber Gott, du warst es.“
Nach dem „Ja“ des Konfirmanden zu einem Leben in christlichem Glauben sprach er sein Gelübde, bevor er den Konfirmationssegen gespendet bekam: „Der Heilige Geist, mit dem du versiegelt worden bist, möge dir immer die richtige Erkenntnis geben.“
Auch am 11. Juli in der Gemeinde Herrenberg leitete der Bezirksvorsteher den Konfirmationsgottesdienst. Dort kamen zwei Mädchen und ein Junge, und zwar aus den Gemeinden Ammerbuch-Pfäffingen, Bondorf und Herrenberg, mit ihren Angehörigen und Freunden am Sonntagmorgen in eine festlich geschmückte Kirche. Vor dem Gottesdienst war von der Orgel die Melodie des Lieds „Mit dir, o Herr, verbunden fühl ich mich nie allein; …“ (Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche, Nr. 189, englischer Text Jane Cross Simpson, 1811 – 1886), gespielt worden. Mit dem letzten Ton der Orgel setzte das Streichtrio der Gemeinde Herrenberg ein und spielte zur Bestätigung dieser Glaubenssicherheit, die der Text ausdrückt, noch einmal dieselbe Melodie.
„Herzlich willkommen! Ein schönes Bild, wenn man die Familien der Konfirmanden im Gottesdienst beisammen sitzen sieht.“, sagte von Bank zur Begrüßung. Beieinander sein zu können, das ist etwas Besonderes. Etwas, das man in Vor-Pandemie-Zeiten vielleicht gar nicht in dem Maß zu schätzen wusste, wie es jetzt der Fall ist. Er erwähnte besonders die Eltern der Konfirmanden, die an diesem Tag zwar nicht vor dem Altar standen. Für die er aber auch eine besondere Bedeutung hat: Sie geben eine Verantwortung, die für das Glaubensleben ihrer Kinder, ab. Was sicher nicht bedeutet, dass sie sich zukünftig aus allem heraushalten werden, wusste ein erfahrener Bezirksvorsteher. Aber, man muss loslassen, denn junge Menschen sind, was neue Entwicklungen anbetrifft, vermutlich mehr auf dem Laufenden als Ältere es sein können.
Auf das Bibelwort für den Gottesdienst eingehend wies von Bank auf die Überschrift des dritten Kapitels aus dem zweiten Brief des Paulus an die Thessalonicher hin: „Wünsche des Apostels“, der die Gemeinde darin bestärken wollte, Gottes Wort gegen alle Widerstände zu vertreten. Ein Kampf. Es ist wie bei einer Krankheit: Man muss die Herausforderung, die darin liegt, annehmen, um sie besiegen zu können. Ein Sportler muss kämpfen. Aber ihr, hieß es an die Konfirmanden gerichtet, seid in einer Mannschaft, der Gemeinde, und keine Einzelkämpfer. Und warum überhaupt Kampf? Warum lässt Gott Glaubensprüfungen zu? Es ist seine Entscheidung, Herausforderungen zuzulassen. Aber, so seine Zusage, wenn es auch anstrengend bleibt, er gibt die Kraft zum Tragen. Ein Sportler braucht auch Kraft, um zu verzichten. Auf Dinge, die der Leistung abträglich sind. Er hat aber auch Trainer. „Bei euch sind das Eltern, Lehrkräfte. Wenn man nicht trainiert, nicht tätig ist, dann schwinden die Muskeln.“ Für die Älteren ist es schön, zu sehen, meine Kräfte lassen zwar nach, aber es sind Junge da. Erstere müssen sich damit auseinandersetzen. Nicht ablehnend sagen, etwa, geht so nicht, sondern nachdenken. Nicht immer, aber oft dann doch feststellen: Eigentlich haben sie Recht. Ich war viel zu eingefahren in meinen Ansichten. Wenn man sich engagiert, macht man auch Fehler. Weist jemand darauf hin, dann, bitte, nicht der ersten spontanen Reaktion, jetzt mache ich gar nichts mehr, nachgeben. Noch ein Rat: Immer unter dem Schirm des Höchsten bleiben. Nicht auch nur einen Meter daneben.
Carsten Dehner, Gemeindevorsteher in Herrenberg sowie Bezirks- und Bereichsjugendleiter, hatte als Beispiel die drei „G“ als relative Sicherheit in Pandemiezeiten wie den unseren: geimpft, getestet, genesen. „Der Herr wird euch bewahren.“ Auch dafür stehen drei „G“: Glaube, Gottesdienst, Gemeinschaft schaffen Sicherheit. Glaube – „Der Herr wird euch bewahren.“; Gottesdienst – Beziehung zu Gott pflegen; Gemeinschaft – Sport, Musik u. V. m., zusammen mit anderen. In diesen Zeiten aus aktuellem Anlass (Europameisterschaft) noch ein Beispiel: Beim Fußball sind alle Feldspieler in Bewegung und keiner von ihnen steht nur herum. Sonst läuft es gar nicht gut.
Auch in Herrenberg verlasen die beiden Konfirmandenlehrerinnen – aufgeteilt – den Konfirmandenbrief des Kirchenpräsidenten Jean-Luc Schneider. Die Konfirmanden gaben ihr „Ja“ zur Verantwortung für ihr Glaubensleben und legten ihr Gelübde ab. Nach der Segnung der jungen Christen und der Feier des Heiligen Abendmahls war es dem Bezirksvorsteher ein spürbar wichtiges Anliegen, im Schlussgebet eine Bitte auszudrücken: Gott möge besonders allen Menschen zur Seite stehen, die in Elend und Ungerechtigkeit ihr Dasein fristen müssen. Nicht dem Willen Gottes entsprechend, sondern dem anderer Kräfte. Auch deshalb seine Bitte: „Wenn du deinen Sohn sendest, dann wird er allein regieren, möge es bald geschehen“.
Zum Schluss musizierten noch einmal die Streicher mit dem wahrhaft frommen Wunsch: „Gott mit mir auf allen Wegen, Gott mit mir zu aller Zeit. Bei dem Herrn ist reicher Segen, ihm sei Dank in Ewigkeit!“ (Gb Nr. 179, Text Gottfried Wilhelm Fink, 1783 – 1846).
Zeit gleich zum Gottesdienst in Herrenberg fand am 11.Juli auch der große Tag der drei Tübinger Konfirmanden statt. Am Altar stand der stellvertretende Leiter des Bezirks, Werner Lampprecht. Er wiederholte den Refrain des gerade verklungenen, an der Orgel (Evangelist i. R. Klausjürgen Zahn) zu Beginn des Gottesdiensts gespielten Lieds: „…alles, Herr, bist du.“ (Gb Nr. 371, Text Kornelius Friedrich Adolf Krummacher, 1824 – 1884). „Wenn Gott nicht seinen Sohn auf die Erde gesandt hätte, dann gäbe es für gläubige Christen keine Zukunft, sondern nur ein Erinnern, an das was mal war.“, hieß es zu Beginn. Gott gibt uns das, was wir jetzt brauchen. „Ihr Konfirmanden seid heute gekommen, um ihm etwas zu versprechen: Die Zehn Gebote zu halten, und ihr habt Kenntnis von den zehn Glaubensartikeln der Neuapostolischen Kirche.“ Das seien die Konfirmanden in den Unterrichten gelehrt worden. Auf dieser Basis würden sie im Gottesdienst ihr Gelübde ablegen.
Der Bezirksevangelist war vor dem Gottesdienst vom Organisten daran erinnert worden, dass das Bibelwort für den Gottesdienst in der Gemeinde Tübingen ein besonderes Gewicht hat. Es war im Januar 2008 anlässlich des Festgottesdienstes zum 100-jährigen Bestehen der Gemeinde Tübingen vom damaligen Kirchenpräsidenten Neuapostolische Kirche International, Dr. Wilhelm Leber, als Grußwort ausgewählt worden (Link). Einhundert Jahre lang hatte Gott die Gemeinde bewahrt und er würde es auch weiter tun, so die Perspektive zum Jubiläum. „Gebt Gott die Ehre!“, lautete der Appell damals wie heute.
Lampprecht erinnerte an die Drei Männer im Feuerofen (Dan 3, 1 ff). In scheinbar aussichtsloser Lage beteten sie Gott an, wohl wissend, dass sie nicht wussten, ob er helfen würde. Ein Engel Gottes bewahrte sie. Lampprechts Rat an die Konfirmanden: „Alles in Gottes Hand legen. Er tut Wunder im Kleinen wie im Großen.“ Der Mensch bemerkt es oft nicht (gleich). Gott lässt ihm seinen freien Willen. Er hat jede Chance, etwas anderes zu tun. Seine Entscheidung – eure Entscheidung, hieß es, an die drei jungen Christen gewandt. „Gott ist da. Du musst es wollen!“ Ich wünsche euch die Kraft, nach Gottes Willen zu fragen. Er lässt euch nicht allein. Ihr sollt spüren: Er ist immer für mich da.“
Als Zwischenmusik war eine Vertonung des Dietrich-Bonhoeffer-Gedichts „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ zu hören, gespielt von Klavier und Geige. Den Konfirmandenbrief verlas der Tübinger Konfirmandenlehrer, in deutscher und englischer Sprache. „Glauben bedeutet Kampf. Wenn man den besteht, gibt das Kraft für die Zukunft, so Lampprecht bei seiner Ansprache an die drei, die zum Altar gekommen waren, um ihr „Ja“ zu einem Leben im christlichen Glauben zu geben und ihr Gelübde abzulegen. Als nunmehr mündige Christen bekamen sie den Konfirmationssegen gespendet.
Fröhliche und beschwingte Klänge waren zum Schluss von der Orgel zu hören: „Trumpet Voluntary – Lobt den Herrn der Welt“ (Musik Jeremiah Clarke, 1674 – 1707).