Ein Bilderbuchsommerabend im Gäu gibt den passenden äußeren Rahmen für den Empfang des Bischofs vor dem Gottesdienst und die Verabschiedung danach auf dem Kirchengelände draußen.
„Er heget und pfleget, er liebet mich sehr, …“.
(aus Vers 1, Nr. 161 Chorbuch für den neuapostolischen Gottesdienst, „Der Herr ist mein Hirte,…“, Textdichter und Komponist nicht bekannt)
Die Melodie dieses Lieds wurde von der Pianistin und Organistin schon vor dem Gottesdienst auf dem Klavier gespielt und später noch einmal im Gottesdienst. Der „nur“ ein großes Thema hatte: „Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe!“ (Joh 1, 9).
Nach der Verlesung des Bibelworts für den Gottesdienst ging Urs Heiniger auf das Eingangslied ein. Da war die Macht der Liebe besungen worden. (Gesangbuch der Neuap. Kirche Nr. 221, Text Gerhard Tersteegen, 1679 – 1769). „Das entspricht meinem Herzen, das Verlangen, diese Liebe zu erleben.“ In einer Welt voll Egoismus: Erst wir, ich! Was gar nicht unbedingt als „bös“ zu bewerten ist, wenn der Mensch gerade voller Sorge ist. Es ist die eigene Entscheidung, trotz Angst und Sorge Gottes Liebe empfinden zu wollen.
Ein besonderer Maßstab: Wie mich mein Vater liebt, liebe ich euch. Unterschiedslos. Da ist das Gleichnis vom Verlorenen Sohn (Lk 15, 11 – 32). Trotz dessen Fehlverhalten hielt der Vater nach ihm Ausschau. Er vernachlässigte dabei nicht die Liebe zu seinem anderen Sohn, der treu daheim geblieben war. Im Leben gibt es Momente, die den Menschen fragen lassen, ob Gottes Liebe ihm noch gilt. Er betet und – nichts tut sich. Auch Eltern können nicht alle Kinderwünsche erfüllen. Und trotzdem ist die Liebe da.
Was ist göttliche Liebe? Fürsorge. Jesus wurde nicht in einem Palast geboren. Aber er bekam fürsorgliche Eltern, die offen waren für Gottes Geist. Der ihnen sagte, nach Ägypten zu fliehen (Mt 2, 13). Warum? Sie taten es einfach.
Amtsträger, die einen besonderen Auftrag erhalten, müssen sich selbst überwinden und die eigenen Vorstellungen hintenanstellen. Du fühlst, wenn du aufmerksam bist, eine besondere Liebe, die zur Entscheidung führt: Ich will meine Gaben einsetzen.
Jesus hatte die Herrlichkeit verlassen und musste sich auch auf der Erde vom Vater führen lassen. Er hatte sich in die Wüste zurückgezogen. Jetzt aus Steinen Brot werden lassen? Er wusste, das ist nicht der richtige Augenblick dafür. Er konnte „nein“ dazu sagen, aus der Liebe zum Vater heraus. Und wusste, dass er sich auf den in allem verlassen konnte. Im Garten Gethsemane kam ein Engel zu ihm. (Lk 22, 43). Es gab auch immer wieder Menschen, die für ihn sorgten. Der himmlische Vater sorgt für dich, glaube es nur. Manchmal lässt er eine Krankheit zu. Warum? Wir wissen es nicht. Und trotzdem: ihm vertrauen.
Gott hat auch seinem Sohn vertraut, deshalb hat er ihm eine große Aufgabe anvertraut. Auch unsere Aufgabe ist es, ein Werkzeug in Gottes Hand zu sein. Das Bild vom Weinstock und seinen Reben (Joh 15, 5): Beide sind eng miteinander verbunden. Gott vertraut dir aus Liebe. Petrus hat er vertraut, trotz einer großen Enttäuschung. WIeder hatte der es nicht geschafft, umzusetzen, was er eigentlich wollte (vgl. Mk 14, 66 - 72). Jesus vertraute ihm trotzdem. Es ging nur um die Entscheidung, den Herrn lieb zu haben (Joh 21, 15). Jesus` Beispiel folgen: Trotz Enttäuschungen nicht aufgeben. Die Bilanz kann sein, dass man so viel gewollt und so wenig geschafft hat. Und trotzdem!
Wir haben unsere Entscheidung getroffen: Das Glaubensziel zu erreichen. Dazu gehört, dabei zu bleiben. Dort, wo wir uns wohlfühlen. Wo sich jeder mit dem einbringt, was er am besten kann. Der Bischof brachte das Beispiel eines Enkels, der sich, als die Eltern ihn abends abholten, partout nicht vom Großvater trennen wollte, mit dem er den Nachmittag verbracht hatte. „Da bleiben“, rief der Kleine (Hier frei ins Hochdeutsche übersetzt; es war eine Schweizer Familie und das Schwyzerdütsch ist dem Chronisten im Gegensatz zum Bischof nicht gegeben.). Wenn ich mich entschlossen habe, dabei zu bleiben, dann bekomme ich auch die Kraft, manchmal anders zu reagieren, als es spontan nahe liegt. Da gibt es vielleicht einen seltsamen Chef, einen unangenehmen Nachbarn, die nur ihre persönlichen Ziele sehen. Andere kränken uns und trotzdem, nicht nachlassen, darauf mit Nachsicht zu reagieren. Eines Tages könnte das doch noch sich auswirken. „Lasst uns in der Liebe bleiben!“
Gott liebt alle in derselben Weise, appellierte Urs Heiniger vor der Sündenvergebung. Und nach der Feier des heiligen Abendmahls wurde noch einmal das zuvor gemeinsam gesungene Lied bekräftigt: „Gott ist die Liebe, …“ (Gb. Nr. 234, Text August Rische, 1819 – 1908).
„Damit gehen wir.“, hieß es nach dem Gottesdienst. „Es ist und bleibt die Liebe, auch in Jettingen.“ Mit Klavierbegleitung war danach, von einer Männerstimme wegen der Abstandsregeln draußen im Foyer gesungen, der Reisesegen zu hören als guter Wunsch für die mehr oder weniger lange Heimfahrt der Gottesdienstbesucher.