Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!
Vom oben zitierten Eingangslied (Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche Nr. 69, Textdichter unbekannt, bearbeitet von Eberhard Koch, geb. 1950) bis zum musikalischen Ausklang vernahm man diese Gewissheit. "Freude, Dankbarkeit, Begeisterung, ausgelöst durch die Sendung deines Sohns, bewegen uns an diesem Feiertag.", so der Apostel im Eingangsgebet. "Durch ihn dürfen wir eine Perspektive haben. Das Ostergeschehen ist für uns keine Historie. Vielmehr klare Orientierung für unser Leben: Du bist da! Wir dürfen in deiner Hand Freude und Geborgenheit erleben. Neue Zuversicht, Glaubensmut und Sicherheit erbitten wir."
"Gesegnete, freudige Ostern!", wünschte Martin Schnaufer vor der Verlesung des Bibelworts für den Gottesdienst. "Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind." (1. Kor 15, 20). "Christus ist auferstanden. - Ja, er ist auferstanden." Mit dieser Gewissheit und Freude haben wir die Grundlage unserer Zukunft. Danach wollen wir unseren Blick ausrichten.
Es folgte eine Bibellesung (1. Kor 15, 3 - 8 und 20 - 28). Die Verse stammen aus den Abschnitten "Von der Auferstehung" und "Christus ist auferweckt" des 15. Kapitels. Sie enthalten Gedanken des Paulus: Christi Auferstehung ist wesentlicher Bestandteil christlichen Glaubens. Ein Mensch besiegt die Sünde und schafft damit die Voraussetzung dafür, dass "Gott sei alles in allem." (Ende Vers 28). "Damit wird kein theologisches Modell beschrieben, sondern Gottes Wille." Ihm, Jesus nachfolgen. Mit ihm durch die Taufe in den Tod gehen. Sich selbst aufgeben und mit ihm die Auferstehung erleben. Paulus schreibt: Ist aber Christus nicht auferweckt, so ist unser Glaube vergeblich. (vgl. 1. Kor 15, 14). Die Realität der Auferstehung unterliegt keinem Zweifel. Dass sie sich vollziehen könnte, damit rechneten selbst die, die ihn ins Grab gebracht hatten. Sie wollten es bewachen lassen, damit, so ihr Vorwand, seine Jünger den Leichnam nicht stehlen könnten. (vgl. Mt 24, 6 ff)
Christus und seine Lehre passten nicht zu den Vorstellungen der damaligen Geistlichkeit. Nach mosaischem Gesetz musste man sich durch dessen strikte Einhaltung ein ewiges Leben verdienen. Und die strenge Befolgung der Regeln, die überwachte sie. Jesus` Lehre dagegen: Das ist nicht wesentlich. Ihr habt nichts einzufordern. Das war nicht der einzige Traditionsbruch. Der Gottessohn wandte sich den Frauen zu. Und den Kindern. Deshalb musste sich die geistliche Elite vor ihm und seiner Lehre schützen: Er durfte nicht auferstanden sein. Für seine Jünger hingegen war das Ostergeschehen letztlich ein riesiger Triumph: Er hat nicht zu viel versprochen. Er ist wahrhaft Gottes Sohn. Sie waren Zeugen dafür, dass sein Wort sich erfüllt hatte.
Aber trotzdem - in den Tagen zwischen Auferstehung und Himmelfahrt kamen bei manchem von ihnen doch auch Zweifel auf. Sie waren unsicher geworden und mussten um ihren Glauben kämpfen. Petrus konnte auf dem Wasser laufen, so lange, bis er um sich sah. Das kann doch nicht sein... und er drohte zu versinken. (Mt 14, 28 ff) Wer nur auf menschliche Wahrnehmungen setzt, ist verloren. Freude, Sicherheit und Zukunftshoffnung sind in der Überzeugung begründet, dass es eine Tatsache ist: Er ist auferstanden.
Zwischen Auferstehung und Himmelfahrt bekamen die Jünger ihren Auftrag: Geht hinaus in alle Welt... (Mt 28, 19) - der Sendungsauftrag des Apostolats. Die Jünger wurden dazu durch Beispiele gelehrt. Da gab es die Fußwaschung (Joh 13, 4 ff). Ein niedriger Dienst. Jesus gab das Bild vom Weinstock und den Reben (Joh 15, 5). Es sollte zeigen, dass sie, die Apostel, ohne ihn nichts vermöchten.
Damals wie heute ist es der Auftrag der Apostel, "Jesus groß zu machen". Seine Auferstehung und damit seine Wiederkunft zu verkünden. Seine neue Lehre zu verkünden, auch wenn die mosaischen Gesetze bleiben. Alle Menschen in eine neue Zukunft mitzunehmen. Karfreitag ist die Liebeserklärung Gottes an die Menschen: So sehr hat Gott die Welt geliebet, dass er seinen Sohn für sie gab (Joh 3, 16). "Nichts anderes macht unseren Glauben aus. Daran lasst uns festhalten!"
Als die Frauen damals zum leeren Grab kamen, waren sie die ersten, die verkündeten: "Der Herr ist auferstanden. Alles nur Geschwätz?" (Lk 24, 1 - 12). Die Reaktion der anderen zeigte, dass das nicht zu ihrer persönlichen Vorstellung von dem, was Frauen so berichteten, passte. Ob wir alles erklären können, ist völlig irrelevant. Es geht ausschließlich um die Wirksamkeit Gottes. Im Hohen Priesterlichen Gebet beschäftigt sich Jesus mit denen, die er so liebte: Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, meine Herrlichkeit erleben (Joh 17, 24).
Gott hat keine Grenzen. Das ist diesseits unseres Vorstellungsvermögens. Wir wollen ihn nicht auf das reduzieren, was wir erklären können. Er liebt dich so wie du bist. Menschliche Maßstäbe sind nicht seine. Denken wir an den Schächer am Kreuz (Lk 23, 43). Wer zu ihm kam, dem hat Jesus die Tür geöffnet: "Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.", wurde dem Verbrecher gesagt. Christus lebt die Entscheidung Gottes für Dich. Wer mit ihm gestorben ist, wird mit ihm auch auferstehen. Wir können es uns nicht vorstellen. Aber daran glauben. Ostern 2021 soll ein Signal der Glaubensfreudigkeit und Hoffnung sein: Er ist wahrhaftig auferstanden und wird wiederkommen. Ostern - vergleichbar einem Kindergeburtstag, der auch alle Jahre wieder kommt und trotzdem, er wird lange vorbereitet und soll jedes Mal ein großes Fest sein.
"Sollten wir nicht jedes Jahr wieder Jesus` Liebeserklärung feiern - Ostern 2021: Wir warten auf den Herrn!"
Der Apostel weiter: Die Feier des heiligen Abendmahls ist auch im Ostergottesdienst der Höhepunkt. Der Friede des Auferstandenen sei mit euch, heißt es in der Liturgie. Jesus` Botschaft: Weg mit der Unruhe. "Friede sei mit euch!" Da ist er, der Auferstandene. Der uns in jedem Gottesdienst reich macht. Von Sünden befreit und mit seinem Frieden versehen. "Christus ist da und teilt diese Augenblicke mit uns."
Ein Diakon aus der Gemeinde Tübingen wurde in den Ruhestand verabschiedet. Ein richtiger Kümmerer, der sich für alle interessiert. Alles zu Ende denkt, absolut zuverlässig. Mit dem Herzen sieht und sich um den Nächsten sorgt. So die Schnaufer mitgeteilte Beschreibung aus der Gemeinde Tübingen. Die hatte den Apostel mit Dankbarkeit und Freude erfüllt."Wir können nicht das, was Gott tut, erklären. Aber trotz mancher Ereignisse, die es auch in Ihrem Leben gegeben hat, sagen wir `ja` zu Gottes Willen." Das hinterlässt Spuren, die über den Tag hinaus gehen. "Jeder Dank gilt auch der Frau an Ihrer Seite. Sie sollen beide spüren, dass Gott und die Gemeinde das zu schätzen wissen. Und Sie werden auch weiter ein leuchtendes Vorbild sein. Da bin ich mir zusammen mit allen anderen sicher."
Danach trat Evangelist i. R. Werner Staiger zusammen mit seiner Frau Ingrid nach vorn. Um den Segen Gottes zu bekommen zum 50-jährigen Ehejubiläum. Es war ihnen wichtig, ihn an diesem Tag zu bekommen, auch wenn die große Feier Corona bedingt jetzt nicht gefeiert werden kann. Ein Wort aus den Psalmen sollte beide in die Zeit begleiten "Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen..." (aus Ps 23, 6) Auch wenn es mal nicht so gut läuft, es bleibt gut und barmherzig. Wenn man die Dinge nicht nur vordergründig sieht, sondern sie richtig gewichtet. Freude hattet und sollt ihr haben an Kindern und Enkeln. Ihr habt "ja" gesagt zum Ruf Gottes und das, was ihr empfangen habt, auch weitergetragen. Was im natürlichen Leben noch kommen wird? Gott steht Ihnen zur Seite. Er wird der Erste in Ihrem Bund bleiben, der von Liebe, Treue und gegenseitiger Unterstützung geprägt ist. Er sagt weiteren Beistand zu, zeigt Türen und Möglichkeiten, die sich dem Verstand nicht erschließen. Der Heilige Geist wird weiter die Triebkraft sein. Damit wird euer Blick über das Irdische hinweg reichen. "Alles Gute, der liebe Gott ist mit euch!"
Vor der Segenshandlung hatte ein Duo, Mutter (Violine) und Sohn (Violoncello), begleitet am Klavier von Andreas Ostheimer "Panis angelicus" von César Franck gespielt.
Ein besonderes Geschenk aus der Gemeinde Tübingen an "ihren" Evangelisten Werner Staiger und seine Ingrid.
Nach Gebet und Schlusssegen ein Wunsch Martin Schnaufers: "Lasst die Osterfreude den Alltag erfüllen. Nehmen wir sie mit in die Tage, bis Christus wiederkommt. Vielen Dank für die musikalische Mitgestaltung. Wir dürfen uns freuen, weil Gott und sein Sohn uns lieben."
Danach gab es den musikalischen Ausklang mit dem Choral "Lasst uns erfreuen herzlich sehr...", arrangiert für Klavier und Orgel von Andreas Ostheimer, gespielt von ihm (Klavier) und Markus Herr (Orgel).
Ein Nachtrag... der eigentlich ein Prolog ist. Die Gottesdienstteilnehmer vor Ort waren die wenigsten. Die meisten konnten, Corona (!), nur per Video-Live-Stream dabei sein. Sie bekamen vom Tübinger Bild- und Tontechniker ein besonderes Geschenk: Vor dem Gottesdienst wurde ein Video gezeigt mit Aufnahmen von Tübingen und Umgebung, in der vorhergehenden wettermäßig prächtigen Karwoche anlässlich eines Ausflugs mit dem Fahrrad gemacht und mit Liebe zusammengestellt. Die Fotos sind im zweiten Teil der Bildergalerie zu sehen. Und wer in diesen Tagen nicht so herauskommt aus seinen vier Wänden kann sich überzeugen: Droben (in Wurmlingen) steht immer noch die von Ludwig Uhland (1787 - 1862) bedichtete Kapelle, Tübingen und das Ammertal bewachend. In diesen Tagen herausgeputzt mit allen bunten Frühlingsblühern, die auf den Wiesen drum herum zu sehen sind.