Es ist der erste Wochengottesdienst wieder nach längerer Pandemie bedingter Pause. Umso größer die Freude, wenn auch mit der gebotenen Distanz, sich wenigstens in die Augen schauen zu können.
"Sieh, ich breite voll Verlangen sehnlich meine Arme aus,
möcht. Herr Jesus, dich empfangen, komm doch in mein armes Haus."
(Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche Nr. 131, Text Eleonore Fürstin Reuß, 1835 - 1903)
"Es ist nicht selbstverständlich, Gottesdienst zu haben." Der Apostel brachte schon im Eingangsgebet den Dank dafür zum Ausdruck. In den letzten Wochen war es anders gewesen. Aber, wie auch immer die äußeren Umstände sein mögen, Gott ist immer mit uns und nimmt Anteil an unserem Leben. Auch dann, wenn wir gar nicht daran denken. Wer hat es nicht schon erlebt, man kommt aus einer hektischen Situation heraus gerade noch rechtzeitig zum Abendgottesdienst in der Woche. Und dann Frieden verspüren, einfach so. Die Kraft bekommen, um weiterzugehen. Sich ausrichten können auf die Wiederkunft Christi. Von der wir wissen, dass sie stattfinden wird. Den Zeitpunkt aber nicht kennen. Aber, sich darauf einstellen, um so die richtigen Prioritäten bei allem irdischen Tun setzen zu können: Trachtet als Erstes nach dem Reich Gottes! (Mt 6, 33)
Danach ging Schnaufer auf den Kontext des zu Beginn verlesenen Bibelworts ein: "Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, dass ich sehen kann." (Lk 18, 41). Ein Blinder hatte, wie für ihn üblich, zum Betteln am Wegesrand gesessen und bemerkt, dass Menschenmassen vorbeikamen. Er fragte nach dem Grund. Als er erfuhr, dass Jesus vorbeikomme, bat er lautstark um dessen Hilfe. Davon ließ er sich nicht abbringen und konnte den Herrn so um eine Änderung seines Schicksals bitten. Das war die Chance für ihn, der in Jesus den Sohn Davids erkannt hatte. Dem Blinden war klar, dass Jesus in göttlichem Auftrag unterwegs war. Beim Gottessohn gab es keine Schuldzuweisung, wozu Menschen neigen, wenn andere ein schlimmes Schicksal haben. Das wird schon seinen Grund haben, heißt es dann oft. Erfolg und Misserfolg, beides Folge des eigenen Tuns? Nicht so bei Gott. Jesus fragt den Blinden nur, was willst du, dass Ich dir tun soll? Was antworten? Wenn die gute Fee kommt, drei Wünsche erfüllen will, was würde man sagen? Da gibt es Beispiele, dass aus menschlicher Sicht etwas gewünscht wird, was gar nicht happy macht. Der "Glückspilz" ist am Ende froh, wenigstens durch die Erfüllung des dritten Wunschs wieder in die Lage zu kommen, in der er vorher schon gewesen war und nichts verloren hat durch seine Wünscherei..
Der junge Salomon hatte so eine Chance. "Herr, schenke mir ein gehorsames Herz." Die Antwort: Weil du mich nicht um Reichtum gebeten hast, sollst du den dazu bekommen. (vgl. Kön 3, 11). "Was willst du?" - Was fällt mir spontan dazu ein? Da erkennen wir, wo unsere Prioritäten liegen. Wie treten wir dann dem Herrn gegenüber? Was du bittest, wird Gott dir geben.
Jesus sagt dem von der Blindheit Geheilten: "Dein Glaube hat dir geholfen." (Lk 18, 42).
Glauben, aber was? Die Antwort folgte:
Gott ist die Liebe. Schon dann, wenn man von einem anderen Menschen geliebt wird, fühlt man sich geborgen. Man ist füreinander da. "Gott ist die Liebe, er liebt auch mich.", singen wir in einem Lied. (Gb 234, Text August Rische, 1819 - 1906)
Glauben an seine Allmacht. Nein, er löst nicht all unsere Probleme. Aber er will unser Bestes, was aber oft auf den ersten Blick nicht unseren persönlichen Vorstellungen entspricht. Im Nachhinein erkennen wir oft erst, dass die göttliche Entscheidung die richtige war.
Er ist allwisssend. Bedeutet, dass wir ihm vorbehaltlos vertrauen können.
Er wird uns Heil schenken. In alle Ewigkeit. Deshalb unsere Bitte: Herr, bereite mir das ewige Leben bei dir. Was aber nicht bedeutet, dass wir nicht mit all unseren Sorgen, auch den irdischen, zu ihm können dürfen. Und wenn es die triviale um einen passenden Parkplatz ist. Weil wir in großer Zeitnot sind. Gehprobleme haben. Gott auch darum bitten können. Allerdings nicht, wenn dann alles geklappt hat, es mit einem "Glück gehabt" bewenden lassen.
Gott will allen Menschen das Evangelium verkünden. Deshalb gehst du den einen oder anderen Weg. Er sagt dazu: Komm, ich bin mit dir. Seine Hand kann Wege bereiten, wenn wir im Glauben vor ihn treten. Dann können wir auch für unseren Nächsten beten und ein Botschafter in Wort und Tat sein. Folge dem Heiligen Geist, dann kannst du Gottes Weg gehen. Bete darum, denn unser Gebet ist der Spiegel dessen, was wir glauben. Am Ende steht: Und Jesus sprach, dein Glaube hat dir geholfen. Sehend werden und ihm nachfolgen - das konnte nicht jeder, der ein Wunder erlebt hatte. "Wir wollen ihm folgen, denn Jesus Christus ist unsere Zukunft!"
Vor der Sündenvergebung hieß es: Jesus wandte sich jedem zu. Irdische Wunder waren nicht sein Schwerpunkt, sondern nur ein Zeichen dafür, dass er der von Gott Gesandte war. Wir können nur bitten, Herr, sei mir gnädig. Womit sich der Kreis schloss zum eingangs zitierten, zu Beginn des Gottesdienstes an der Orgel gespielten Lied. "Sieh, ich breite voll Verlangen..."
Einem kleinen Jungen wurde das Sakrament des Heiligen Geistes gespendet. "Es ist kein Zufall, dass dieses euer Kind ist. Mit vielen Chancen, die er von Anfang an in sich trägt. An euch ist es, eine klare Richtung vorzugeben.", so der Apostel in seiner Ansprache an die Eltern. Dem Kleinen eine Orientierung geben. Auch im Hinblick auf Jesus` Zusage, wiederzukommen. Es ist schön, dass wir unsere Kinder Gott anempfehlen können. "Miteinander viel Freude und Weisheit mit seiner Hilfe.", so der abschließende Wunsch an die junge Familie, die am Altar stand.
"Alles Gute bis zum Wiedersehen. Kommt gut durch diese Zeit!", hieß es zum Schluss, bevor die Glaubensschwester, die mit spürbar viel Liebe zur Sache und zur Musik an diesem Abend die musikalischen Akzente an Orgel und Klavier gesetzt hatte, stellvertretend für die Gemeinde ein Versprechen abgab:
"Ich bin hier Herr. Meinst du mich, Herr? Hör ich nicht dein Rufen in der Nacht?
Führst du Herr mich, will ich gehen. Meines Bruders Hüter will ich sein."
(Chorbuch für den neuapostolischen Gottesdienst, Refrain Lied Nr. 338, "Ich, der Herr von Erd und All..." Text und Musik Daniel Laurent Schutte, geb. 1947)