Apostel Martin Schnaufer leitet den Gottesdienst in der Gemeinde Rottenburg.
Wenn der Heiland, ... als Bräut´gam erscheint
und die Seinen als Erlöste zur Hochzeit vereint,
o dann werden sie glänzen wie die Sterne so rein,
wie die Krone des Königs voll Edelgestein!
(Nr. 407 Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche, Originaltext in englischer Sprache von William Orcuit Cushing, 1823 - 1902)
Die Melodie dieses Lieds erklang nach der Verlesung des Bibelworts für den Gottesdienst. Felix Dopf, der die musikalische Gestaltung des Sonntagvormittags übernommen hatte, (Orgel und Klavier) spielte sie. Zur Erinnerung - in etwas anderer Übersetzung war dieses Lied im "alten" Gesangbuch ein Kinderlied, das zu den Adventsliedern gehörte. Im "neuen", herausgegeben 2004, ist das anders. Die Rubrik ist überschrieben: Den Glauben leben - Verheißung Erwartung Erfüllung. Das gilt nicht nur in den vier Wochen vor Weihnachten. "Aber, Advent, die Zeit, in der wir jetzt im Kirchenjahr leben, ist ein wichtiger Impuls. Er macht Hoffnung und belebt sie: Es wird anders werden. Jesus` Zusage gilt. Ein Bild - sie werden glänzen. Das hat der Sohn Gottes gesagt, er als wahrer Gott und Mensch. Das soll kein Vertrösten sein. Advent macht das göttliche Versprechen besonders lebendig: Es wird anders werden", so zu Beginn der Apostel. Vor Christi Geburt gab es einen langen "Advent". Die Zusage der Geburt eines Heilands war aus dem Bewusstsein verschwunden. Nur wenige warteten noch darauf. "Lasst uns im Glauben erfassen, was Gott zugesagt hat. Krankheit, wirtschaftliche Not und anderes Elend, sie lassen sich leichter ertragen, wenn Hoffnung besteht, auch wenn sich dadurch objektiv nicht sofort etwas ändert. Die Zusage Gottes, wie sie der Text des Lieds bildlich darstellt, sie erhellt unser Dasein."
"Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung." (Kol 1, 15). "Was bedeutet Christus?", begann der Apostel auf das eingangs verlesene Bibelwort einzugehen. Er, ein Ebenbild Gottes, war sich nicht zu schade, menschliche Gestalt anzunehmen (vgl. Phil 2, 6, 7). Jesus - als Mensch - ermöglichte es den Menschen, den Blick auf Gott haben zu können. Elia wollte Gott sehen. Der zog an ihm vorüber als "ein sanfter Hauch". Erst im Nachschauen erkannte Elia Gott darin. (vgl. 1. Kön 19, 10 - 13). Wie oft geht es uns nicht auch so - erst im Nachhinein erkennen wir etwas als göttliches Wirken. Erst die Menschwerdung Christi ließ den Kontakt sündiger Menschen mit Gott zu.
Der Erstgeborene hatte nach damaligem Recht den Anspruch auf das Erbe. Christus war der Erste, der mit einem Auferstehungsleib unter den Menschen wandelte. Als Erstgeborener unter vielen Brüdern (vgl. Röm 1). Wir sind durch die Wiedergeburt aus Wasser und Geist Schwestern und Brüder Jesus` geworden. Er als unser Freund und Bruder steht uns in jeder Situation bei. Wie ist unser Verhältnis zu ihm? Wir werden es nicht schaffen, Gott gleich zu sein. Aber Christus ist unser Vorbild. Das Schmerzen erlitt. Unsicherheit ertragen musste. Das zeigt seine Antwort, dass "das nur der Vater im Himmel weiß." (vgl. Mt 24, 36). Er musste Schweres ertragen, das ihn verzweifeln ließ - Mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Mt 27, 46). Er nahm die Schuld der Menschen auf sich. Und - er blieb seinem Vater und ihnen treu. Wenn wir uns verlassen fühlen, bedeutet das nicht, dass wir es auch sind. Es gibt Vieles, das wir aus unserer Perspektive nicht sehen können.
Ein Vorbild ist der Diakon Stephanus, der wegen seines Glaubens gesteinigt wurde. Trotzdem bat er, Herr, behalte ihnen ihre Sünde nicht (Apg 7, 60). So, wie Jesus am Kreuz bat, Vater, vergib ihnen, was sie tun (Lk 23, 24).
Jesus ist unser Freund und Berater, nicht das, was man landläufig unter einem "guten Kumpel" versteht. Er ist und bleibt Gott, vor den wir in Ehrfurcht und Anbetung treten. Er hat uns gerufen, sein Evangelium zu verkünden, in Wort und Tat. Die Aufforderung ist, seid untereinander so gesinnt, wie es der Gemeinschaft mit Jesus entspricht. Weil er uns gerufen hat, sind wir keine "Interessengemeinschaft". Die Fehler, die andere haben, sind uns nicht wichtig. Wir wollen so gesinnt sein, wie es der Gemeinschaft mit Jesus entspricht. Und es ist keine vage Vermutung: Jesus wird wiederkommen. Und zwar genau zum richtigen Zeitpunkt. Nicht wegen der akuten Pandemie, aber auch nicht - ihretwegen nicht.
"Wenden wir uns so dem Höhepunkt des Gottesdienstes zu. Im Bewusstsein, dass Jesus unser Freund und Bruder ist und trotzdem Gott bleibt. Er lädt uns ein. Wir beugen uns dankbar und demütig vor ihm." Im Schlussgebet waren besondere Bitten: Geh mit uns in den Alltag. Gib die richtigen Gedanken. Allen Menschen schenke Wohlergehen. Wir beten für alle.
"Eine schöne Advents- und Weihnachtszeit. An Mut und Freude soll es nicht mangeln.", so die guten Wünsche des Apostels zum Abschied. Der - fast schon Gewohnheit - draußen vor der Kirche bei Wahrung der gebotenen (äußeren) Distanz erfolgen musste.