... und dessen Nachfolger wird beauftragt.
Den Coronazeit bedingten Einschränkungen geschuldet konnten an einem wunderschönen Sommerabend nur die Herrenberger und nicht, wie vielleicht sonst geschehen, die Glaubensgeschwister aus den Gäugemeinden und alle Gemeindevorsteher aus dem Kirchenbezirk Herrenberg anwesend sein, als einer aus ihrem Kreis, zusammen mit seiner Ehefrau, in einen neuen Lebensabschnitt gehen würde. Physisch bei der Verabschiedung anwesend oder nicht, gute Wünsche für die kommende Zeit werden beide nicht nur aus Herrenberg begleiten. Und, wie Apostel Martin Schnaufer es im Eingangsgebet formulierte, wir wissen, dass wir uns in allem, was unsere Zukunft, unser ewiges Leben betrifft, unbedingt auf Gott verlassen dürfen. Ein seelischer Reichtum, der, wie auch immer äußere Umstände sein mögen, Bestand haben wird.
Zu Beginn drückte Schnaufer die Freude darüber aus, dass es nach langen Wochen wieder Gottesdienste, inzwischen auch mit Feier des Heiligen Abendmahls geben kann. "Jesus, bleib in meinem Leben Weggefährte, bester Freund...", wiederholte er den zuvor von einem Gesangsduo mit Klavierbegleitung vorgetragenen Text eines Lieds (Chorbuch Nr. 307,Text nach Luise Hensel, 1798 - 1876). Menschen fühlen sich unwohl, wenn sie eine Situation nicht im Griff haben. Aber: Gott ist immer derselbe. Seine Entscheidung, uns in Liebe zu tragen, ist unumstößlich. Er hat uns, wurde weiter aus dem Lied zitiert, "aus Liebe guten Menschen anvertraut." Dein Geschenk ist deine Gemeinde. Gottes Liebe, die Gemeinde, dafür wollen wir dankbar sein. "Lasst uns so gemeinsam Gottesdienst erleben!"
"... dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, ..." (Eph 3, 16, s. auch Eph 3, 17 ff). Das dritte Kapitel des Briefs an die Epheser ist überschrieben: "Die Fürbitte des Apostels (Paulus) für die Gemeinde". Alles, was einem gegeben, geschenkt wird, hat seinen "Namen": Da ist das persönliche Verhältnis, dass du zu Gott haben darfst - er hat dich bei deinem Namen gerufen. "Dass er euch Kraft gebe..." - da geht es nicht um Übermenschliches, sondern um den inwendigen Menschen. Wir haben gerade erst das Pfingstfest gefeiert: Christus war nicht mehr als Mensch unter seinen Jüngern. Aber er sandte ihnen und heute uns den Heiligen Geist. Was ist dessen Zielsetzung? Durch ihn Christus in seiner vollen Größe wahrnehmen und sich auf die ewige Gemeinschaft mit ihm sich vorbereiten zu können. Das Gebot der göttlichen Liebe zu achten. Die Fähigkeit, weise Entscheidungen zu treffen. Schnaufer erinnerte an Jesus, als dieser sich vor Pontius Pilatus zu verantworten hatte. Der Gottessohn wusste zu argumentieren. Aber er besaß auch die Klugheit, zu erkennen, wann es geraten war, zu schweigen, weil alles andere Verschwendung gewesen wäre. Der Heilige Geist macht stark, weil er uns die Fähigkeit gibt, mit den Dingen richtig umgehen zu können. Jesus brachte sein Opfer nur aus Liebe. Zu seinem Vater und zu den Menschen. Nein, er war kein "Supermann". Er war zwar klug, konnte schon als Zwölfjähriger auf Augenhöhe mit den Schriftgelehrten im Tempel diskutieren. Aber das war nicht das Wesentliche für ihn. Er stellte das Unvergängliche ins Zentrum. "Seine Liebe, sein Opfer wollen wir wertschätzen, wenn wir jetzt Sündenvergebung erfahren und Heiliges Abendmahl feiern dürfen."
Danach wurde Hirte Klaus Giringer in den Ruhestand verabschiedet. 32 Jahre als Amtsträger, davon insgesamt 27 als Vorsteher, 21 als der von Herrenberg. Nüchterne Zahlen, die schon für sich sprechen. Und die in einem Schreiben des Tübinger Bezirksvorstehers Klaus von Bank, aus dem Schnaufer zitierte, voller Respekt und Anerkennung mit Inhalt gefüllt wurden: Eine Danksagung an einen durch und durch souveränen und gelassen agierenden Amtsträger. Pragmatisch und demütig seinen kirchlichen Auftrag erfüllend. Dabei immer beruflich gefordert und erfolgreich. Dazu kommen parallel fünf Jahre Missionsarbeit in der Ukraine. "Mein lieber Hirte, Danke. Du warst mit ganzem Herzen bei der Arbeit, im Bewusstsein: Es ist die Gemeinde des Herrn. Der Vorsteher hat nun einmal eine Schlüsselaufgabe. Es waren Jahre, die ihre Spuren hinterlassen haben in der Gemeinde, in deren Seelen du viel hineinlegen konntest im Hinblick auf unser aller Glaubensziel - ewiges Leben bei Gott. Der wird auch in der kommenden Zeit bei euch, deiner Frau und dir, sein. Und als Beter und Berater wirst du immer gebraucht. Alles Gute!", so die abschließenden Worte des Apostels.
Danach wurden Evangelist Carsten Dehner als Vorsteher für die Gemeinde Herrenberg beauftragt und ein Diakon als Priester ordiniert. "Meine lieben Brüder, herzlich willkommen!" Der Apostel bedankte sich für das "Ja" des Gemeindeevangelisten, der insgesamt sieben Jahre in diesem Amt mit der Aufgabe, Stellvertreter der jeweiligen Vorsteher zu sein, tätig gewesen war und damit nicht völlig ungeübt an die neue Aufgabe herangehen kann. Anfangs in Tübingen, danach in Herrenberg hatte er diese Funktion "Du hast dein Herz in den Dienst des Heiligen Geistes gestellt." Der Dank des Apostels ging auch an den Diakon, der sich zu seiner neuen Aufgabe bekennen wollte: Das Wort Gottes verkündigen und Sakramente - Heilige Wassertaufe und Heiliges Abendmahl - zu spenden. Beiden "Neuen" galt: Es wird Lasten, aber auch die Freude geben, Gott zu erleben. Im anschließenden Gebet, vor der Beauftragung des Vorstehers und der Ordination des Priesters, wurde der Wunsch ausgedrückt, Gott möge durch beide Amtsträger wirken. Seine Weisheit möge ihre Entscheidungen tragen. Die Freude auf die Wiederkunft des Herrn solle bei allem Wirken immer im Mittelpunkt stehen."
"Alles Gute. Auf Wiedersehen.", verabschiedete sich Apostel Martin Schnaufer, bevor noch einmal das Streichtrio, das schon vor dem Gottesdienst gespielt hatte, "zu Wort" kam. In seiner Mitte übrigens, Cello spielend, der neue Gemeindevorsteher. Zwei Strophen wurden gespielt, aber welche? Der Chronist hat sich für das Zitat die letzte ausgesucht (Gb Nr. 325, Vers 5, Text John Ellerton, 1826 - 1893).
"So sei es, Herr: Die Reiche fallen,
dein Thron allein wird nicht zerstört;
dein Reich besteht und wächst,
bis allen dein großer, neuer Tag gehört."