Bezirksältester Hartmut Knecht leitet den Gottesdienst in Herrenberg, Bezirksevangelist Wolfgang Roller den in Rottenburg.
Da die Nagolder im Rahmen eines Bezirksämteraustauschs kamen, begaben sich an diesem Abend Bezirksältester Klaus von Bank nach Nagold und Bezirksevangelist Werner nach Egenhausen und führten dort die Gottesdienste durch. An dem in Herrenberg nahmen auch die Glaubensgeschwister aus den Gemeinden Gärtringen, Nebringen und Öschelbronn teil, während die aus Mötzingen und Bondorf in Rottenburg eingeladen waren.
Am Sonntag zuvor hatte in Backnang ein Gottesdienst mit Kirchenpräsident und Stammapostel Jean-Luc Schneider stattgefunden, der u. a. in Gemeinden der Gebietskirche Süddeutschland übertragen worden war. Knecht war es wichtig, ein paar Gedanken daraus noch einmal lebendig zu machen: Da ging es um die Gotteskindschaft. Alle Menschen sind Gotteskinder, weil Gott sie erschaffen hat. Und um das Verhältnis zwischen Gott und Mensch. Das ist nicht von Angst und Unterwürfigkeit bestimmt, sondern vielmehr wie das eines Vaters zu seinem Kind. Dazu kommt die Wiedergeburt aus Wasser und Geist, von der Apostel Paulus spricht. Die kein Privileg ist und einen besonderen Status verleiht. Vielmehr ist sie die Aufforderung, eine neue Kreatur heranwachsen zu lassen, die durch den Heiligen Geist im Menschen angelegt worden ist und erst noch entstehen muss. Das bedeutet für uns, darum zu kämpfen. Sich um das vorgesteckte Ziel bemühen. Was noch intensiver geschehen sollte. Es bedeutet auch, mit Christus zu leiden. Wie auch mit anderen - wie steht es um unser Mitempfinden mit dem Nächsten, dem es gerade nicht so gut geht?
Damit war auch schon die Verbindung zum eingangs verlesenen Bibelwort hergestellt: "Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst. Denn wenn jemand ein Hörer des Worts ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Mann, der sein leibliches Angesicht im Spiegel beschaut; denn nachdem er sich beschaut hat, geht er davon und vergisst von Stund an, wie er aussah." (Jak 1, 22 - 24). Allein in den Spiegel zu schauen, das langt nicht. Vielleicht anschließend das Gesehene vergessen. Oder aber sogar den Spiegel zerstören, weil einem der eigene Anblick missfallen hat. Das macht schon im Natürlichen nichts besser. Aufs Geistige bezogen bedeutet es, ehrlich sich selbst gegenüber zu sein. Und, so auch der Sinn des Buß- und Bettages: Etwas ändern. Was nicht durch eine einmalige Aktion zu schaffen ist. Vielmehr ist das eine tägliche Herausforderung. In Gedanken, Worten und Taten gilt es, an sich zu arbeiten und sich zu ändern.
Gedanken - der Bezirksälteste erinnerte an den Psalmisten mit dessen Bitte: "Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, ..." (Ps 51, 12). Dazu den Heiligen Geist in uns wirken lassen. Den Nächsten positiv sehen können und nicht beim ersten Unmut über ihn stehen bleiben. Man sieht zwar nicht, was wir denken. Aber die Auswirkungen davon bemerkt man schon.
Womit man bei den Worten ist. "Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über", sagt ein Sprichwort. Da gibt es viel zu tun. Wie vorschnell ist etwas im Zorn gesagt. Wie schnell hat man sich mal eben auf Kosten anderer lustig gemacht. Lieber einen Freund verlieren als einen Gag verschenken? Wenn man sich überhaupt und dazu noch die richtigen Gedanken macht, dann kommen auch die angemessenen Worte. Den Heiligen Geist in sich wirken lassen. Besser für den Nächsten beten als ihn zu missachten.
Dann folgen auch die richtigen Taten. Die von Begeisterung für die Sache des Herrn und von Liebe getragen sind. Da ist Leben zu verspüren. Aktives Tun und Anstreben der Wiederkunft Jesu und kein abwartendes Verharren.
"Das wollen wir uns nicht nur heute am Buß- und Bettag vornehmen. Vielmehr uns täglich prüfen, uns den Spiegel vorhalten, um zu schauen, wo noch etwas zu tun, zu verändern ist, dann wächst eine neue Kreatur heran."
Gemeindeevangelist Carsten Dehner, Herrenberg, hatte sich mit der besonderen Bedeutung von Worten beschäftigt, die am Anfang oder am Ende eines Buchs stehen und oft die Dinge auf den entscheidenden Punkt bringen. Er zitierte den Schluss des Alten Testaments: "Der (Elia) soll das Herz des Vaters bekehren zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern, ..." (Mal 3, 24). Es geht um die letzte Zeit, die Zeit der Buße. Und da um ein Vater-Sohn-Verhältnis und umgekehrt. So wie unseres zu Gott, dessen Vaterherz uns Gnade schenkt, wenn wir Buße tun. Wie es auch das Gleichnis vom Verlorenen Sohn zeigt, der in die offenen Arme des Vaters zurückkehren konnte. Zum Abschluss wurde es "märchenhaft": Schneewittchen - die Frage der Königin an den Spiegel, wer die Schönste im Land ist. Mit dessen für die Fragende höchst unbefriedigender Antwort, dass Schneewittchen die Königin an Schönheit bei Weitem übertreffe. Wir sollten, wenn uns der Spiegel vorgehalten wird, hinschauen, was es noch zu verbessern gilt, nicht zornig werden wie die Königin im Märchen. Vielmehr auf unser Vorbild, Jesus, schauen. Auf Gottes Wort hören, es wirken lassen und damit seinem Sohn ähnlich werden können.
"Unsere Motivation dazu", so der Bezirksälteste weiter, "ist nicht die Angst vor Strafe. Die Liebe zum Herrn soll uns leiten, um etwas zu ändern. Unsere Hinwendung zu Gott in Buße ist die Voraussetzung für die Gnade der Sündenvergebung."
Nach dem Gottesdienst bedankte sich Gemeindevorsteher, Hirte Klaus Giringer, herzlich für den Besuch aus der Nachbarschaft. Der hatte sich zu Beginn des Gottesdienstes daran erinnert, dass er schon des Öfteren bei diesem und jenem Anlass und in dieser und jener Funktion in die Herrenberger Kirche gekommen war. Aber dort noch nie auf dem Altar gestanden habe. "Uns", so der Hirte, "hat es ganz gut gefallen, den Nachbarn aus Nagold auf dem Altar zu erleben."
Im Gottesdienst in Rottenburg mit Bezirksevangelist Wolfgang Roller ging es um dasselbe Bibelwort wie in Herrenberg. Priester Joachim Kienle und Hirte Lothar Dopf, die Gemeindevorsteher von Bondorf und Rottenburg, trugen zur Wortverkündigung bei.